Aus für einen Traditionsladen

Erste Hilfe vor der Tür: Wenn eine Pedale klemmt, greift Andreas Timm schnell mal ein. (Foto: Ben Freier)

Hoheluft: Fahrradgeschäft an der Mansteinstraße schließt nach 68 Jahren

Von Ben Freier, Hoheluft

„Mein Pedal drehte sich plötzlich nicht mehr, können Sie mal nachgucken? Ich muss schnell weiter, mein Kind von der Schule abholen“, sagt eine Mutter. Notfall in der Man-steinstraße, Andreas Timm hilft. Mit wenigen Handgriffen macht der Inhaber des Fahrradladens das Pedal wieder flott. Die Mutter ist erleichtert, Timm sieht ihr hinterher und lächelt. „Gehört alles dazu!“, sagt er.
Das Geschäft von Andreas Timm (57) ist Anlaufpunkt für eilige Mütter und verzweifelte Bastler – seit Jahrzehnten ist das kleine Unternehmen im Generalsviertel zuhause. Doch im November ist Schluss: Timm hört auf, wegen gesundheitlicher Probleme. Der Vermieter lehnte einen möglichen Nachfolger ab – das Ende eines weiteren Traditionsbetriebs auf der Ecke.
Für viele Kunden und Nachbarn ist der Fahrradladen nicht wegzudenken aus dem Viertel. Er gehört seit 68 Jahren dazu. Für den Bastler, der für seine Bremse eine Minischraube braucht, für den Rennradler, der einen Platten hat, oder für die Eltern, die den Drahtesel der Kinder durchchecken lassen. Hier wird immer geholfen, und es gibt fast alle Ersatzteile.

Noch heute fragen Leute nach Gründer Erwin Nitschke

Gründer Erwin Nitschke eröffnete das Geschäft 1947, nachdem er aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt war. 1982 trat Andreas Timm seine Nachfolge an. „Es rufen sogar manchmal Leute an, die noch Erwin sprechen wollen.“ Aber das liegt am Firmennamen, den Andreas Timm nie geändert hat: E. Nitschke / Alles für das Fahrrad.
Während heute viele Hamburger mit ultraleichten Carbon-Modellen mit mindestens 27 Gängen über die Straßen sausen, war das Fahrrad damals ein notwendiges Transportmittel. Und eine Drei-Gang-Torpedo- Schaltung war schon Luxus.
Wer zu Andreas Timm geht, will was Solides. Hier kommen die Leute hin, die ein ganz normales Fahrrad besitzen oder kaufen wollen, etwas Handfestes, das sie auch den Winter über fahren können. Man kann das erahnen, wenn man sich im Verkaufsraum umsieht: Felgen hängen von der Decke, in einer Ecke stehen ein paar neue, ausgesuchte Fahrräder, und es riecht nach Kettenfett. Kein „Bicycle-Showroom“ – einfach ein Laden für die Nachbarschaft. Solche Betriebe sterben aus in diesem Viertel.

Wohnraum

Ende November macht „Alles für das Fahrrad“ zu. Inhaber Andreas Timm hört aus gesundheitlichen Gründen auf. Er hatte einen möglichen Nachfolger. „Der war Feuer und Flamme. Doch der Vermieter hat andere Pläne“, so Timm. Das Geschäft soll wohl in Wohnraum umgewandelt werden.
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