Aus für das Theater N.N.

Förderung gestrichen, ab Juli ist kein Geld mehr für die Miete da: Dieter Seidel muss das Theater N.N. in Eimsbüttel schließen.
Hamburg: Theater NN |

Kulturbehörde streicht Förderung – im Juni ist Schluss am Hellkamp in Eimsbüttel

Voriges Jahr haben sie noch den zehnten Geburtstag gefeiert, doch dieses Frühjahr fällt voraussichtlich der letzte Vorhang im Theater N.N. Die Kulturbehörde hat die Förderung für die Eimsbütteler Privatbühne gestrichen, Gründer und Leiter Dieter Seidel sieht keine Chance mehr weiterzumachen.
Es geht vordergründig um 30.000 Euro. Diese Summe hat das Theater N.N. zuletzt pro Saison als Förderung von der Kulturbehörde erhalten. Daran sind Bedingungen geknüpft. Unter anderem muss eine Bühne eine bestimmte Auslastung nachweisen – für mindestens 50 Prozent der Plätze müssen Karten verkauft werden. Das Theater N.N. hat diese Marke knapp verfehlt. „Wir lagen bei etwa 47 Prozent“, sagt Dieter Seidel. Unfair findet er allerdings, dass die stets sehr gut besuchten Freiluftveranstaltungen des Theater N.N. im Römischen Garten in Blankenese nicht berücksichtigt wurden. „Da lagen wir immer um die 100 Prozent Auslastung.“
Für die Kulturbehörde zählt das aber nicht. „Gefördert wurde das Theater N.N. am Standort Eimsbüttel. Mit Blick auf die zur Verfügung stehenden Mittel und die bei der Evaluation der Privattheaterförderung vereinbarten Kriterien, ist allein die Entwicklung des Theaters mit seinem regulären Spielbetrieb zu berücksichtigen“, so Sprecher Enno Isermann.
Es sei dem Theater N.N. wiederholt nicht gelungen, den geforderten Besucherzuspruch zu erreichen. Gefördert wurde die Eimsbütteler Bühne (etwa 55 Plätze) seit vier Jahren. Seidel: „Wir sind ein Theater, das nicht den Massengeschmack bedient. Wir pflegen das reine Schauspiel, das sich auf Dichter und Schauspieler beruft. Wir haben aus Überzeugung an diesem Konzept festgehalten. Ich dachte, die Behörde lässt uns Zeit.“
Mit der Förderung deckte das Theater die Miete ab – um Stücke, Bühnenbild und alles Drum und Dran kümmerte sich das Team ehrenamtlich. „Ich sehe uns ein bisschen als Opfer einer kulturpolitschen Entscheidung“, so Seidel.
Gespielt wird am Hellkamp 68 noch bis Ende April, Ende Juni schließt das N.N. Dann hat Eimsbüttel kein Theater mehr.

„Wir sterben grad“


Sang- und klanglos will das Theater N.N. die gestrichene Förderung nicht hinnehmen. Für Sonnabend, 2. Februar, lädt das Team ab 20 Uhr in den Hellkamp 68 ein. Unter dem Titel „Quoten vor Qualität – auch in der Kunst! Was tun?“ soll darüber nachgedacht werden, was da gerade in der Kulturpolitik passiert.

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Jens Natter aus Eimsbüttel | 02.02.2013 | 21:15  
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