Aufgewacht, Herr Specht ist da!

An sich mag er am liebsten Bäume, aber in der Stadt klopft der Buntspecht auch Löcher in Hausfassaden. In einer Wohnanlage der Kaifu-Genossenschaft ist er besonders aktiv. (Foto: NABU/Annegret Wiermann)

In einer Wohnanlage am Kaiser-Friedrich-Ufer klopft ein Buntspecht Loch um Loch in die Fassade

Trrrrrrr tock, trrrrrr tock. Herr Specht ist da – und das lässt er alle hören. Frühmorgens geht es los in der Wohnanlage am Kaiser-Friedrich-Ufer. „Der beginnt hier häufig um halb sieben – und dann macht er ein paar Stunden Lärm“, erzählt Bewohnerin Helga Denneborg. In die Außenwände der Häuser zwischen Kaiser-Fried-rich-Ufer und Hohe Weide hat der Vogel etliche Löcher geklopft. Derzeit sind es mindestens acht. Es waren mal viel mehr: An die 100.

40.000 Euro zahlt Vermieter, um Löcher zu verschließen

Die Löcher bereiten Vermietern hamburgweit Kopfzerbrechen. „Das ist ein größeres Problem in dieser Anlage“, sagt Ditmar Baaß, Vorstand der Genossenschaft Kaifu-Nord-land, der der Block mit etwa 310 Wohnungen nahe des Isebek-kanals gehört. Um weitere Schäden an der Fassade zu vermeiden, müssen die Löcher immer wieder gestopft werden. Voriges Jahr ließ die Kaifu das machen. Kosten: 40.000 Euro. Es wurden zudem Spechtattrappen aus Metall an der Fassade angebracht, um den Vogel zu vertreiben. Klappt nicht so recht: Er kommt immer wieder. Die Fassade macht es ihm leicht. Sie ist mit einer relativ weichen Dämmung aus Styropor versehen. Da kann der Specht leicht reinha-cken – und das macht ordentlich Lärm. Gefällt dem Vogel offenbar, denn mit dem Klopfen lockt er weibliche Artgenossen an.

In die Spechthöhlen ziehen Eichhörnchen ein

„Es gibt bisher kein erprobtes Mittel, um das Löcherhacken zu verhindern“, sagt Baaß. Der Genossenschaft bleibt daher erstmal nichts anderes übrig, als die Liebeslöcher immer wieder zuzumachen.
Tipps hat Marco Sommerfeld, Vogel-Experte beim Naturschutzbund (Nabu) parat. Werden Fassaden mit Klinker verkleidet oder die Oberflächen sehr glatt verputzt, könne sich der Specht schlecht festhalten. Der Vogel hacke oft Löcher in Hauswände, weil er dort Insekten vermute. Merkt er, dass das gut widerhallt, werden die Instinkte geweckt – dann macht er immer weiter.
Seine kleinen Höhlen nutzt der Vogel übrigens gar nicht: Da machen es sich meist Eichhörnchen oder Meisen gemütlich.
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
1.355
Katja H. Renfert aus Rotherbaum | 13.04.2015 | 16:53  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.