Auf der schwarzen Liste

Stapel von Büchern, Nächte vor dem Monitor: Da müssen Studierende durch. Im Elbe Wochenblatt schreibt eine Studienanfängerin über ihre Erlebnisse an der Universität Hamburg. (Foto: fk)

Abenteuer Studium: Die Kolumne im Elbe-Wochenblatt

Franziska Kühn, Eimsbüttel – Im Durchschnitt sollte ich für mein Studium zwei bis drei Stunden am Tag lesen. So habe ich mir das ausgerechnet. Manche empfehlen die doppelte Zeit, aber ich fürchte, länger kann ich mich nicht konzentrieren neben Vorlesungen und Seminaren. Zum effektiven Lernen brauche ich eine entspannte Gefühlslage, Ruhe und – heißen Tee. Es ist gleichsam so, als flössen die Buchstaben dann leichter in mein Hirn und der Worte Inhalt bliebe dort auch leichter kleben.
Nun halten es die Bibliotheken unterschiedlich. In die
meisten darf man gerade noch ein Fläschchen klares Wasser mitnehmen, bei den Germanisten gibt es sogar Kaffee und Kekse! Glückliche Germanisten. In der Staatsbibliothek ist hingegen gar nichts erlaubt. Das macht Sinn, wenn man in empfindlichen, antiken Werken liest oder in seltenen Originalen, die schon ein Wasserfleck entweihen könnte. Aber bei neueren Büchern in Massenauflage? Naja.
Neulich versuchte ich, eine kleine Thermoskanne in die Stabi einzuschmuggeln. Geschickt unter die Achsel geklemmt, unter einer weiten Strickjacke verborgen, schritt ich betont beschäftigt an der Wachfrau am Eingang des Lesesaals vorbei. Leider verriet mich das nicht zu verbergende Gluck-gluck-Geräusch des hin und herschwappenden Heißgetränks bei jedem Schritt. Die Wachfrau sah mich streng an, machte einen energischen Fingerzeig mit der Bedeutung „zurück!“ und knurrte: „Die Thermoskanne bleibt draußen!“ Auch meine gespielte Verwunderung („Ich weiß gar nicht, wovon Sie reden!“), die durch mein Kichern leider komplett missglückte, konnte die völlig Humorlose nicht wieder milde stimmen. Seitdem guckt die Frau mich immer so lauernd an. Ich glaube, ich stehe jetzt auf einer schwarzen Liste.

Die Kolumne

Neu an der Uni: Eine aufregende Zeit, viele Eindrücke, viele neue Gesichter. Franzis-ka Kühn aus Eimsbüttel ist
19 Jahre alt und studiert Geografie. In ihrer Kolumne im Elbe Wochenblatt steht, was sie an der Universität Hamburg erlebt.
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