Arbeitslosigkeit, Schlaganfall – ein Stellinger lässt sich nicht unterkriegen

Der Stellinger Albert Weisshaar kämpft um seine Zukunft. Unglückliche Umstände sowie ein Schlaganfall brachten ihn in Existenznöte, doch er gibt nicht auf. (Foto: fh)

Albert Weisshaar kämpft um seine Zukunft

Frauke Heiderhoff, Stellingen – Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren!“ Dieses Zitat von Bertolt Brecht ist die Devise von Albert Weisshaar aus Stellingen. Der Dozent für Betriebswirtschaft stand im Jahr 2004 vor den Trümmern seines Lebenswerks. An den Universitäten in Tiflis, Vilnius und Warschau hatte er seine Vorlesungen gehalten, doch plötzlich stand er ohne Aufträge da: Auftraggeber waren insolvent geworden. Gemeinsam mit seiner Ehefrau zog er zurück nach Hamburg. Der damals 58-Jährige erhielt kein Arbeitslosengeld, er war zuvor selbstständig.
Hartz IV gab es nur als Darlehen. Seine Altersvorsorge, eine Eigentumswohnung, musste der Stellinger verkaufen. Das Geld ging an das Jobcenter, zur Tilgung des Darlehens. Mahnbescheide flatterten ins Haus. „Die Mittel waren aufgezehrt“, erzählt Weisshaar.
Aber Not macht erfinderisch: Weisshaar entwickelte Bewerbungsflyer, doch keiner reagierte. Also bewarb er sich fachfremd – und hatte Erfolg: Ein Unternehmen der Sicherheitsbranche engagierte ihn für Pförtnerdienste, weil seine Englischkenntnisse über dem Durchschnitt lagen. Um leben zu können, hatte Weisshaar Schichtdienste mit monatlich über 300 Stunden Einsatzzeiten. Ausgelacht von Kollegen ob des Glaubens an eine andere Beschäftigung („Opa, wenn wir nicht aus dem Wachdienst herauskommen, wie willst du das packen?“), kämpfte Weisshaar.
Nach zwei Jahren Wachdienst gab es Licht am Ende des Tunnels: Ein Bildungsträger engagierte ihn. Trotz eines Schlaganfalles und dadurch bedingter Schwerbehinderung erhielt er ein Zeugnis. Doch sein Arbeitgeber verlängerte den Vertrag nicht, aus Angst, es könnten Ausfälle drohen. Arbeitslos? – Nicht mit Weisshaar. „Zwar erklärte mich die Arbeitsagentur volkswirtschaftlich für tot, es fehlte noch die formale Beisetzung“, erzählt der Stellinger. Schließlich fand er eine Beschäftigung bei einem Bildungsträger.
Doch das Geld reicht nicht: „Meine Rente ist so gering, dass ich 20 Stunden pro Woche arbeiten muss“, so der Stellinger. Vielleicht findet er ja wieder eine Tätigkeit im Empfang, in einer Pförtnerei, in Teilzeit.
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