„Arbeit ist wichtig, Leben auch“

„Arbeit ist wichtig, Leben auch“: Renate Schumak und Christian Schultz von der Solidarischen Psychosozialen Hilfe Hamburg. (Foto: fs)

Seit 25 Jahren unterstützt die „Solidarische Psychosoziale Hilfe“ Betroffene im Schanzenviertel

Fritz Schenkel, Sternschanze – An der Wand des Beratungszimmers hängt ein unscheinbarer, handgeschriebener Zettel. „Arbeit ist wichtig, Leben auch.“ Es ist das Motto der „Solidarischen Psychosozialen Hilfe Hamburg“ (SPSH). Wenn das Eine nicht mehr da ist, kann das Andere aus den Fugen geraten. Leidvolle Erfahrung einer ständig zunehmenden Zahl von Menschen.
Seit 25 Jahren versucht der in der Bartelsstraße 30 ansässige eingetragene Verein Betroffene zu unterstützen. Zu den Gründungszeiten musste zähe Überzeugungsarbeit geleistet werden. „Sich über Zusammenhänge von Arbeitslosigkeit und psychischer Gesundheit Gedanken zu machen, war damals noch nicht angesagt“, sagt Christian Schultz, Geschäftsführer des Vereins. Gegründet wurde die „SPSH“ auf ehrenamtlicher Basis. „Aus einem Kreis von Psychologie-Studenten und Pädagogen, die auch selbst von Arbeitslosigkeit betroffen waren“, so Psychologin Renate Schumak. Mittlerweile finanziert die Sozialbehörde die drei hauptamtlichen Stellen. Schultz, Schumak und die Psychologin Heike Frederking werden von einem Dutzend ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt.
Der Kern der Arbeit besteht in regelmäßiger Beratung. Allein oder in Gruppen, alles ist kostenlos und vertraulich. Typische Betroffene gibt es nicht. Menschen zwischen 20 und 60 Jahren vom Schulabbrecher bis zum Akademiker nehmen die Angebote in Anspruch. „Sie bekommen das Gefühl zu versumpfen, ihr gewohnter Tagesablauf ist weg, Freundschaften werden nicht mehr gepflegt“, beschreibt Schultz immer wiederkehrende Symptome bei Erwerbslosigkeit. Meist werde die persönliche Situation auch als persönliche Schwäche gesehen und nicht auf die Gesellschaft bezogen. „Dabei sind es Insolvenzen, die arbeitslos machen, oder Krankheiten.“ Entschieden wendet sich Schultz jedoch gegen eine Stigmatisierung: „Alle Erwerbslosen sind krank: Das stimmt nicht.“
Die Grenzen der eigenen Arbeit sind dem Beratungsteam ebenfalls bewusst. „Arbeitsplätze können auch wir nicht schaffen“, so Schultz.

Infos: www.spsh.de oder spsh.hamburg@alice-dsl.de
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