Aquarium Eimsbüttel: Abschied nach 44 Jahren

Leidenschaft fürs Wasser und alles, was darin schwimmt: Jürgen Tackmann begann als zehnjähriger Junge in der Zoohandlung mitzuhelfen. Seit 44 Jahren ist er Inhaber, nun hört er auf. (Foto: Ben Freier)

Die letzten ihrer Art: Das Ehepaar Tackmann schließt im Herbst die Zoohandlung am Sandweg

Ben Freier, Eimsbüttel
„Zwei küssende Gurami, ein Blackwolly, vier Plati und ein Goldsaummolly – das macht dann 13,50.“ Was sich für Außenstehende anhört wie eine Mischung aus Juweliergeschäft und Esoterik-Buchhandel, ist in der Zoohandlung Tackmann gang und gäbe. Im Flachbau an der Ecke Sandweg / Fruchtallee kann man Fische kaufen – nicht zum Essen, nur zum Gucken. Doch nach 44 Jahren ist Schluss: Angelika und Jürgen Tackmann hören im Herbst auf. Damit schließt eine der letzten klassischen Zoohandlungen Hamburgs.

Erst die Heirat - dann stieg die Frau ins Geschäft ein

Bereits im Alter von zehn Jahren wünschte sich Jürgen Tack-mann nichts sehnlicher als ein Aquarium, für ein Taschengeld half er dem damaligen Chef Karl-Heinz Bemme, befüllte Tüten mit Vogelfutter. Elf Jahre später besaß er dann nicht nur sein Aquarium, sondern übernahm die ganze Zoohandlung – und ging tanzen. Bei Foxtrott und Walzer lernte er seine spätere Frau Angelika kennen – er war 20, sie erst 16. „Aber ich arbeite im Laden nur dann mit, wenn du mich heiratest!“, sagte die Freundin damals. Beide hielten Wort, seit 44 Jahren betreiben Angelika und Jürgen Tack-mann gemeinsam ihre Zoohandlung, die sich zum Mekka für Aquaristiker entwickelt hat.
Im Laden gluckert es friedlich vor sich hin, zirka 20 Fischschwimmbecken und allerlei für andere Haustiere findet man im Obergeschoss. Im Untergeschoss reiht sich ein Aquarium an das andere, und man glaubt bei Hagenbeck zu sein. Hier tummeln sich unter anderen der teure „Diskus Pigeon Blood“ (in Silber!) und der seltene „Nasen-Harnischwels“.

50 Aquarien und eine Milliarde Wasserflöhe

Der gesamte Ladenbereich von 170 Quadratmetern umfasst 50 Aquarien, befüllt mit etwa 12.000 Litern Wasser. Darin leben über 1.000 Fische, eine Vielzahl von Wasserpflanzen und über eine Milliarde Flöhe. Wasserflöhe – also keine Panik!
Das lebende Fischfutter holt der Ladeninhaber persönlich aus dem Wasser, geschützt mit Wathose zieht Jürgen Tack-mann zweimal pro Woche einen riesigen Kescher durch seine geheimen Fanggründe: „Das lohnt nicht für einen einzelnen Aquariumsbesitzer, das lohnt nur bei Masse.“

Nachfolger abgelehnt

Aquarium Eimsbüttel: Der Laden hat einen hervorragenden Ruf und gilt als einzigartig im Westen von Hamburg. Bald aber wird es auch diese Perle des Einzelhandels nicht mehr geben, zum 30. September läuft der Mietvertrag aus. Das Ehepaar Tack-mann hatte einen möglichen Nachfolger, aber der Vermieter wollte diesen offenbar nicht. Ob er besorgt ist wegen der Flöhe?
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