Anwohner verschönern Grün – Bezirksamt Eimsbüttel schreitet ein

Raúl (8), Jakob (8) und Ida (5, v.l.) sind traurig: Sie haben ein hübsches Beet an der Emilienstraße gestaltet. Doch das ist offiziell nicht erlaubt, das Bezirksamt drohte mit der Räumung.

Skurriler Streit um eine vorbildliche Eigen-Initiative von Bürgern

Hortensien, Fuchsien und Geranien blühen, bunt bemalte Ziersteine liegen zwischen den Blumen auf einem kleinen Rasenstück. Anwohner haben an der Emilienstraße/Ecke Wiesenstraße ein hübsches grünes Fleckchen geschaffen. Sie stellten noch eine Bank auf, damit Passanten und Nachbarn hier einen Plausch halten konnten. Eine vorbildliche Eigen-Initiative, wie sie die notorisch überlasteten öffentlichen Grünpfleger gebrauchen könnten. Doch dem Bezirksamt Eimsbüttel ist die Aktion nicht recht. „Morgens um 7.30 Uhr stand hier plötzlich ein Räumkommando vor dem Haus. Die Arbeiter sagten uns: ,Das muss alles weg!’“, schildert Marion Pfau die Szenerie. Dabei hatten sie es doch nur gut gemeint.
Gemeinsam mit ihren Kindern Ida (5) und Jakob (8) hat Marion Pfau eine von Unkraut zugewucherte Ecke in ein hübsches Beet verwandelt. Zudem zogen die Anwohner einen niedrigen Zaun um das Grün, damit Hunde nicht – wie zuvor – ihre Haufen in die Rabatten setzen. Passanten und Nachbarn freuten sich über das Engagement.
Die Behörde sieht in der Beet-Aktion hingegen eine „unerlaubte Sondernutzung“, die Bank sei eine „unmittelbare Gefahr“ gewesen, da Fußgänger darüber hätten stolpern können, so Aileen Röpcke vom Bezirksamt Eimsbüttel. Auch der Zaun gilt als Stolperfalle.
Pfau kontert: „Wir haben hier einen unhaltbaren Zustand beseitigt. An Schrotträdern kleben wochenlang Zettel dran. Um schiefe Gehwegplatten, die Stolperfallen sind, kümmert sich monatelang keiner. Und plötzlich ist das Amt pfeilschnell“, so die 45-Jährige.
Röpcke verweist darauf, dass die Stadt den öffentlichen Raum – Gehwege, Grünstreifen, Parks – „im Rahmen der uns zur Verfügung stehenden Mittel so gut wie nur möglich“ in Ordnung halte. Und wenn jemand über die Bank gestolpert wäre, hätte das Amt haften müssen. Daher die Eile.
Kompromiss an der Emilienstraße: Das Beet darf vorerst bleiben, für die Bank müssten die Anwohner eine Sondernutzung beantragen.

Was ist erlaubt?
Können Bürger einfach verwilderte Grünstreifen in Eigenregie zu Beeten machen? Nicht generell. Es gibt die Möglichkeit, Patenschaften zu übernehmen. Diese sollten beim Bezirksamt (Abteilung Stadtgrün) angemeldet werden. Das Amt begrüßt aber grundsätzlich die Eigen-Initiative von Bürgern wie an der Emilienstraße.
Heikel wird es beim Gehweg: Einfach etwas hinstellen ist formell nicht erlaubt, auch Gastronomen müssen für Tische und Stühle draußen Genehmigungen einholen. Aber auch hier gibt es immer einen Ermessensspielraum der Behörde.
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3 Kommentare
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Petra Roth aus Eimsbüttel | 02.08.2012 | 19:21  
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Michael Schulz aus Stellingen | 04.08.2012 | 11:29  
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Fran Kee aus Eimsbüttel | 26.02.2015 | 14:51  
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