Alte jüdische Lieder neu interpretiert

Am heimischen Klavier studiert Sängerin Inge Mandos ihre Lieder ein. (Foto: ml)

„Waks“: Sängerin Inge Mandos widmet sich jiddischer Musik aus Osteuropa

Von Maren Langenbach, Grindel

„Die Stimmen haben mich einfach fasziniert, ich wollte mit ihnen zusammen singen“, sagt Inge Mandos, während sie der Musik aus ihrem CD-Spieler lauscht. Es erklingen jiddische Volkslieder, gesungen von Frauen und Männern aus Osteuropa. Mal zart und vorsichtig, mal klagend, laut oder fröhlich. Es sind Originalaufnahmen, entstanden in den Straßen, indem die Menschen direkt in ein Grammophon sangen.
Mandos hat mit ihren Musikerkollegen Klemens Kaatz und Hans-Christian Jaenicke zwei Jahre lang an einer ungewöhnlichen Interpretation der mehr als 75 Jahre alten Lieder gearbeitet. Nun hat das Trio die CD „Waks – Yiddish Voices“ (Wachs – jüdische Stimmen) veröffentlicht. Es ist eine Art Dialog mit dem historischen Material, das seinerzeit auf Wachswalzen aufgenommen wurde.

„Habe einen regelrechten Schatz gefunden“

Mandos lebt seit Jahrzehnten im Grindelviertel, dem ehemaligen Zentrum jüdischen Lebens in Hamburg. Mit der Geschichte der Nachbarschaft hat sie sich schon lange beschäftigt. Als ehemalige Lehrerin an der Ida-Ehre-Schule in Eimsbüttel initiierte sie Rechercheprojekte über das Schulleben während der NS-Zeit. Als Sängerin beschäftigt sie sich seit 15 Jahren mit jiddischer Musik, ist Mittelpunkt und Mitglied mehrerer Ensembles.
„Mit den Wachswalzen-Stimmen habe ich einen regelrechten Schatz gefunden“, sagt die 65-Jährige. „In einem Fachbuch las ich über die Aufnahmen, die jahrzehntelang in einem Keller im Puschkin-Palais in St. Petersburg lagerten.“ Die Aufnahmen entstanden zwischen 1928 und 1941. Die Lieder erzählen von Flucht, Emigration, sozialen Konflikten, ungewollter Schwangerschaft, aber auch von viel Liebe und kleinen Alltagsgeschichten – Themen, die auch heute noch aktuell sind.

Stücke fordern den Hörer heraus

„Waks“ ist ein Werk, das es dem Zuhörer nicht leicht macht. Manche Stücke fordern einen heraus, sind laut und erstmal etwas unbequem. Hört man sich aber in die Texte hinein, fasziniert die Musik und man möchte mehr erfahren über die Menschen zu den Stimmen, denen Inge Mandos und ihre Musikerkollegen Gehör verschafft haben.

❱❱ www.ingemandos.de
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