Aktion Augen auf: Wenn aus Engagement Freundschaft wird

Steuerberaterin Frauke Foddanu engagiert sich ehrenamtlich für die Aktion "Augen auf". Hund "Bolle" begleitet sie öfters zu den Besuchern bei "ihrer alten Dame". Foto: cp

Frauke Foddanu verschenkt Zeit an eine alte Dame, die sonst niemanden hat

Von Christina Prahl, Eimsbüttel – Frauke Foddanu hat sich verliebt. Ihr Mann auch. Das Ehepaar aus Eimsbüttel hat sein Herz an eine alte Dame verschenkt. Eine alte Dame, die einsam ist. Die außer den beiden kaum noch jemanden hat, der sich um sie kümmert. Über die Aktion „Augen auf“ (siehe Kasten) fand das ungewöhnliche Dreier-Gespann zusammen. „Wir wollten uns schon lange ehrenamtlich engagieren“, sagt Frauke Foddanu. Aber wofür? Darüber konnten sich der Fotograf und die Wirtschaftsprüferin nicht einigen.
Doch dann stießen sie in einem Cafe auf ein Werbe-Plakat der Aktion „Augen auf“. „Da wussten wir sofort, das ist das Richtige für uns“, sagt Frauke Foddanu. „Wir haben beide keine Großeltern mehr“, erzählt die engagierte junge Frau. Der Kontakt zu älteren Menschen fehle ihr. „Die Alten stehen am Rand unserer Gesellschaft. Dabei sind sie es, die dafür gesorgt haben, dass wir Jungen heute so ein vergleichsweise unbeschwertes Leben führen können“, sagt die Eimsbüttlerin.
Mindestens einmal die Woche besucht das Ehepaar „seine alte Dame“. Sie gehen zusammen spazieren, ins Restaurant oder zum Einkaufen. Die alte Dame gehört fast schon zur Familie. So soll sie dieses Jahr sogar das Weihnachtsfest mit dem Paar verbringen. „Natürlich nur, wenn sie möchte“, so Frauke Foddanu schmunzelnd. „Die alte Dame ist uns ans Herz gewachsen, wir fühlen uns verantwortlich für ihr Wohlergehen“, gesteht sie und lächelt dabei.
Eine Last sei diese Verantwortung nicht. Im Gegenteil: „Es ist ein wunderschönes Gefühl, wenn sich jemand auf deinen Besuch so sehr freut, dass er Dich kaum wieder gehen lassen möchte.“ Außerdem sei es befriedigend, einem Menschen zu helfen. Auch wenn es meistens nur Kleinigkeiten seien, die sie der 83-Jährigen abnehmen könnten. Schuhekaufen zum Beispiel. Das Licht im Flur reparieren. Oder den Staubsauger bedienen. „Wir werden die Verbindung halten“, ist sie sich sicher. „Bis sie stirbt“, sagt sie ernst und wischt dann den traurigen Gedanken schnell beiseite. Jetzt will sie erst einmal das Leben mit „ihrer alten Dame“ genießen. Morgen fährt sie wieder hin – und freut sich drauf.

Info: Aktion Augen auf
Menschliche Nähe geben und damit Isolierung vermeiden: Das ist das Ziel des Besuchsdienst der Aktion „Augen auf“ der Awo-Stiftung „Aktiv für Hamburg“. Wer wie Frauke Foddanu einen älteren Menschen regelmäßig mit seinen Besuchen aus der Einsamkeit heraushelfen möchte, wendet sich an die zuständigen Stadtteilkoordinatoren. In Eimsbüttel: Sabine Scharp-Hilcken
(E-Mail: eimsbüttel@aktionaugenauf.de), in Stellingen und Lokstedt Susanne Lehmann (E-Mail: lokstedt@aktionaugenauf.de.) Weitere Infos gibt es unter der kostenlosen Telefon-Hotline 0800 - 284 36 28 oder im Internet auf der Seite www.aktionaugenauf.de
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.