Ahmadiyya-Moschee sucht den Dialog

Wollen vermitteln: Said Arif (Imam aus Berlin, v.l.), Abdullah Uwe Wagishauser (Ahmadiyya-Bundesvorsitzender) und Fazl Khokhar (Pressesprecher Ahmadiyya Stellingen). (Foto: cvs)

Nach Silvester-Übergriffen: Muslimische Gemeinde will Islambild geraderücken

Christopher von Savigny, Stellingen/Eidelstedt

Die sexuellen Übergriffe auf junge Frauen an Silvester – unter anderem auf der Hamburger Reeperbahn – haben bundesweit für Entsetzen gesorgt. Dass es sich bei den Tätern um Männer „mit südländischem und arabischem Aussehen“ handeln soll, sorgt für zusätzliche Unruhe und macht den Umgang mit den vielen Flüchtlingen in der Stadt nicht eben leichter.
Vermutlich hätte sich der Vorstand der Ahmadiyya-Moschee anlässlich seines jährlichen Treffens mit Journalisten etwas weniger gesellschaftliche Brisanz gewünscht. Die Gemeinde in der Wieckstraße, die eines der ältesten muslimischen Gotteshäuser Deutschlands ihr eigen nennt, bemüht sich, einen aufgeklärten Eindruck zu vermitteln. Regelmäßig wird der Diskurs mit der deutschen Kultur und mit den Anwohnern aus dem Viertel gesucht. „Wir gehen selbstkritisch mit dem Thema um“, sagt Abdullah Uwe Wagishauser, Bundesvorsitzender der Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ), die bundesweit rund 50.000 Mitglieder hat.
Eines will Wagishauser gleich zu Beginn klarstellen: Dass sich das Begrapschen und Belästigen von Frauen in keiner Weise mit den Werten der islamischen Gesellschaft vereinbaren lässt. „Der Islam ist anders, als er oft wahrgenommen wird“, sagt der Amir. Das Problem seien junge, heimatlose Männer, die sich offenbar verabredet hätten. „Man kennt solche Vorfälle aus arabischen Ländern. Das war ein Warnsignal.“ Man müsse die Leute direkter ansprechen, fordert Wagishauser.
Mehrmals pro Woche sind freiwillige Helfer aus der Gemeinde in Flüchtlingsunterkünften (etwa an der Kieler Straße und am Hörgensweg) unterwegs, schenken dort Tee und Kaffee aus und geben Ratschläge. „Leider können wir uns nicht um jeden einzelnen Menschen kümmern, der dort lebt“, bedauert Wagishauser.
Bei aller Bemühung um einen religiösen und gesellschaftlichen Dialog wird deutlich: Bereits hier, unter der Moscheekuppel, sitzen sich zwei Welten gegenüber. Auf der einen Seite die westlichen (und mehrheitlich weiblichen) Journalisten, auf der anderen Seite die reine Männerriege der AMJ. „Das ist bei uns so geregelt“, sagt Wagishauser. „Frauen haben ihre eigenen Organisationen.“ Allerdings sei das Ganze ein Prozess. „Ich kann mir vorstellen, dass sich da etwas tut.“
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