Agaplesion: Die Rückkehr der Kritik

Krankenhaus im öffentlichen Raum: Im Kunstverein ist eine Ausstellung zur Auseinandersetzung um den Bau des Klinikums an der Hohen Weide zu sehen. Die Recherchen der Sparbier-Initiative wurden 2012 auf Druck des Klinikkonzerns Agaplesion aus dem Netz genommen.

Ausstellung zum Konflikt um Agaplesion Diakonieklinikum Hohe Weide

Nanu, wo kommt das denn plötzlich her? Mehr als ein Jahr waren die Recherchen und Kommentare der Initiative gegen die Bebauung des Sparbierplatzes in Eimsbüttel nicht mehr zugänglich. Angesichts drohender juristischer Konsequenzen nahmen die Agaplesion-Kritiker ihre Internetseite im Mai 2012 aus dem Netz. Nun sind Texte, Dokumente und Meinungen wieder zugänglich – in einer Ausstellung im Kunstverein.
Die Eimsbütteler Initiative protestierte gegen die Klinikpläne an der Hohen Weide. Dort entstand bis 2011 ein Neubau, in dem die drei kirchlichen Krankenhäuser Alten Eichen (Stellingen), Elim (Eimsbüttel) und Bethanien (Eppendorf) zusammengelegt wurden. Neben dem Klinikum des Agaplesionskonzerns wurden Kunstrasenplätze für den ETV hergerichtet. Der teils erbitterte Konflikt wurde von der Initiative umfangreich im Internet dokumentiert – aus deren streitbarer, teilweise harschen Sicht.
Die Ausstellung unter dem Titel „Privatisierung als Gottesdienst – Neoliberale Politik und pastorale Macht“ deutet die Auseinandersetzung auf eigenwillige Weise. Zentraler Aufhänger ist das Vorgehen des kirchlichen Klinikkonzerns Agaplesion, der mit Unterstützung von Politikern in Bezirk und Bürgerschaft den Neubau an der Hohen Weide durchsetzte, obwohl es massive Widerstände gab. Auch die Rolle des anfangs skeptischen ETV wird beleuchtet. Die „Initiative gegen die realisierte Absurdität“ – so nennen sich die Urheber der Ausstellung – deutet den Konflikt als Besitznahme einer vormals öffentlichen Fläche durch Klinikkonzern und Sportverein.
Interessant ist, dass die Sparbier-Initiative auch nach dem Bau des Klinikums – und damit ihrer Niederlage – weitermachte. Abriss des alten Elim-Krankenhauses, Platzmangel auf der Klinikauffahrt, Patienten-Parade auf der Straße – kaum eine Gelegenheit ließen die Kritiker aus, um das Klinikum anzuprangern. Das war den Agaplesion-Verantwortlichen offenbar zu viel: „Im Mai 2012 sah sich die Initiative gezwungen, alles aus dem Netz zu nehmen, um einem Prozess zu entgehen, der – unabhängig von seinem Ausgang – die Mitglieder finanziell in den Ruin geführt hätte“, heißt es beim Kunstverein.

„Privatisierung als Gottesdienst – Neoliberale Politik und pastorale Macht“, bis 5. Januar im Kunstverein Hamburg, Klosterwall 23
www.kunstverein.de
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