Äste ab – und was ist mit den Vogelnestern?

Baumpflege in der Goebenstraße: Anwohner kritisieren, dass das ausgerechnet während der Vogel-Brutzeit passieren muss. Laut Bezirksamt würden die Firmen auf Nester achten.

Baumpflege in der Goebenstraße – Anwohner sorgen sich um brütende Vögel.

Von Carsten Vitt.
Schnipp Schnapp, Äste ab! In Eimsbüttel werden wieder Bäume beschnitten. Anwohner fragen sich, warum das ausgerechnet während der Vogel-Brutzeit passieren muss – ein Beispiel aus der Goebenstraße.
Vögel zwitschern in den Bäumen. Ein Haufen Äste liegt am Stamm eines Baumes, davor steht ein Warnschild, Laster mit Hubwagen und Schredder sind am Straßenrand geparkt: Baumpfleger im Einsatz. In der Goebenstraße war vor kurzem ein Trupp unterwegs. Sie schneiden Äste ab, stutzen Kronen, entfernen abgestorbene Gehölze. Aber achten die Leute auch auf Vogelnester? Anwohner bezweifeln das.
„Die Stadt Hamburg beschneidet Bäume während der Brutzeit gnadenlos. Anwohner machen die Baumbeschneider noch darauf aufmerksam, dass sich Vogelnester in den Bäumen befinden. Das interessiert die Herrschaften nicht“, sagt eine Nachbarin aus der Goebenstraße.
Sie fragt sich, warum die Stadt ausgerechnet jetzt – während der Vogel-Brutzeit – an die Bäume rangeht. „Das Jahr hat zwölf Monate. Die Vogelbrutzeit dauert etwa von April bis Juli – das sind vier Monate. Die Stadt hat ganze acht Monate Zeit, um die Bäume zu beschneiden“, so die Eimsbüttelerin.
Laut Bezirksamt würden Bäume meist im Frühjahr und Sommer beschnitten, weil das den Gehölzen am besten tue. „Ein Schnitt in der Vegetationszeit ist für die Bäume am verträglichsten. Die Ausführung der notwendigen Schnittarbeiten in der Vegetationszeit dient damit dem langfristigen Erhalt des Baumbestandes. Würden die Bäume ausschließlich außerhalb der Vegetationszeit, die sich mit der Brutzeit überschneidet, beschnitten werden, würde dies den Gesundheitszustand des Baumbestandes nachhaltig negativ beeinträchtigen“, so Aileen Röpcke, Sprecherin des Bezirksamts.
Und die Nester? Laut Bezirksamt dürfen bei Pflegearbeiten „keine Äste mit Nestern entfernt werden“. Die beauftragten Firmen seien entsprechend eingewiesen und „achten auf Brutstätten in den Bäumen“, so Röpcke.

Das sagt der NABU:
„Wir begrüßen jede Maßnahme, die dem Erhalt der Bäume in der Stadt dient. Mit Blick auf die Brutzeit der Vögel sind Baumschnitte in diesen Wochen natürlich nicht ideal“, sagt Ilka Bodmann vom Naturschutzbund NABU. Ein späterer Termin Ende Juli, zum Ende der Brutzeit, wäre besser. „Die Vögel könnten jetzt durch Schnittmaßnahmen so sehr gestört werden, dass sie ihre Brut aufgeben“, so Bodmann. Das Bezirksamt sei sich dieser Problematik aber bewusst und habe den beauftragten Firmen entsprechende Anweisungen gegeben. „Ob dies in der Praxis immer umgesetzt wird, kann man nur vor Ort und von Fall zu Fall beurteilen“, so die Expertin.
Auch private Gartenbesitzer bittet der NABU, sich noch mindestens bis Ende Juli mit dem Hecken- und Strauchschnitt zu gedulden, um die Brut der Vögel nicht zu stören.
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