Abschied von Winfried Rangnick: „Ich werde die Schüler vermissen“

Winfried Rangnick, Leiter des Emilie-Wüstenfeld-Gymnasiums, bleibt seiner Schule treu: Im Elternchor wird er weiter mitsingen.

Emilie-Wüstenfeld-Gymnasium: Leiter Winfried Rangnick sagt Tschüs – das Interview im Elbe Wochenblatt

Elf Jahre leitete er „Hamburgs tollste Schule“, nun geht er in den Ruhestand: Winfried Rangnick (64) im Interview mit dem Elbe Wochenblatt.

Herr Rangnick, sind Sie traurig, dass bald Ihr letzter Schultag anbricht?
Ja! Ich werde die liebevollen und sympathischen Schülerinnen und Schüler vermissen, und natürlich auch mein wunderbares Kollegium und die engagierte Elternschaft. Es war eine wundervolle und lebendige Zeit hier am EWG, aber ich habe ja noch was vor ...

Was denn?
Im Herbst werde ich zu einer großen Radtour nach Lissabon aufbrechen – 3.542 Kilometer.

Oha, wie lange brauchen Sie dafür?
Bestimmt an die drei Monate, es geht ja teilweise über Mittelgebirge, dann die Pyrenäen und den Jakobsweg. Und ich will keineswegs durchrasen, sondern jeden Moment auf dem Weg genießen.

Was haben Sie sonst noch vor?
Wieder Musik machen, Politik machen, schreiben, so genau weiß ich das noch nicht, auf jeden Fall auch mit dem Rad durch Europa stromern. Und Ich werde weiter beim Elternchor bleiben, da singe ich seit zehn Jahren mit. Auch wenn man noch so kaputt ist: Nach den Proben gehen wir immer wieder taufrisch nach Hause.

Das EWG ist eines der beliebtesten Gymnasien in Hamburg – was ist das Geheimnis?
Wir haben über die Jahre die künstlerisch-musische Schulkultur sehr verstärkt, wir fördern die Schüler in ihrer persönlichen Entwicklung, motivieren sie zum eigenverantwortlichen Lernen. Wir haben offenbar Erfolg: Als ich vor elf Jahren anfing, hatten wir 630 Schüler, im Herbst werden es 970 sein, aber an Zahlen allein will ich es nicht festmachen.

In den vergangenen Jahren haben Schulen immer mehr Aufgaben bekommen – ist das zu viel und zu viel Bürokratie?
Ja, manchmal ersticken wir in all den Aufgaben, aber im Ganzen erlebe ich das nicht so. Wenn man das ganze Pflichtprogramm hinter sich hat, gibt es viele Gestaltungsmöglichkeiten. Wir können unsere Lehrer selbst einstellen, also auswählen, wer pädagogisch zur Schule passt. Wir können überlegen, welche Unterrichtsentwicklungen uns wichtig sind und wie wir zum Beispiel den Ganztag gestalten. Insgesamt war das für mich als Schulleiter ein wunderbarer kommunikativer Job, weil man jeden Tag mit Schülern, Eltern und Lehrern Kontakt hat.

Kurzbiografie
Winfried Rangnick ist in Kiel aufgewachsen, kam mit 19 Jahren zum Zivildienst und zum Studium (Soziologie, Geschichte, Germanistik) nach Hamburg. Als junger Lehrer fing er am Heilwig-Gymnasium an, wechselte 1997 als stellvertretender Schulleiter ans Corvey-Gymnasium und leitet seit 2003 das Emilie-Wüstenfeld-Gymnasium. Er wird im August 65 Jahre alt, wohnt im Generalsviertel, ist verheiratet und hat eine 26-jährige Tochter und einen 15-jährigen Sohn.
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