Abrisspläne: Mieter wollen für ihr Zuhause kämpfen

Das Stellinger Gemeindehaus soll abgerissen werden: Robert Kuhnt und seine Frau Maria möchten ihr Zuhause nicht verlieren. (Foto: mr)

Stellinger Gemeindehaus soll weichen – Drei Mietparteien verlieren dann ihre Bleibe

Miriam Roersch, Stellingen
Seit drei Jahren genießen Robert Kuhnt, seine Frau Maria und ihr Sohn das Modell Großfamilie unter einem Dach. Der Vierjährige flitzt regelmäßig ins obere oder untere Stockwerk zu seinen Ersatz-Omas und -Opas, die ihm erzählen können, wie sein Heim vor 50 Jahren aussah. Solange schon wohnen die Nachbarn, allesamt zwischen 70 und 80, in den Mietwohnungen des Gemeindehauses der Kirche Stellingen an der Melanchthonstraße. Nun droht die freundschaftliche Nachbarschaft auseinandergerissen zu werden. Die Gemeinde plant, das Gebäude abzureißen. Nächstes Jahr soll es mit den Bauarbeiten losgehen.
Die Kirche kann sich den Unterhalt nicht mehr leisten. Es wäre eine kostspielige Sanierung (500.000 Euro) nötig. Unter anderem sind in dem Haus noch Bleirohre verbaut, die wegen der möglichen Gesundheitsrisiken heute nicht mehr zulässig sind. Der Abriss ist für die Gemeinde offenbar der einfachere Weg. Und es gibt noch weitere teure Baustellen (siehe Kasten).
Aber da sind ja noch die Mieter: Laut Familie Kuhnt hat die Gemeinde die Mietparteien bislang nur mündlich über die bevorstehenden Ereignisse informiert. Familie Kuhnt würde ihr soziales Umfeld verlieren und die Senioren ihr Zuhause. Gerade Letzteres ist für Kuhnt unfassbar: „Alte Bäume verpflanzt man nicht.“ Auch er und seine Familie wollen nicht weg: „Wir leben hier gern. Unserem Sohn tut die Umgebung gut. Seitdem wir in Stellingen wohnen, braucht er zum ersten Mal kein Asthma-Spray mehr.“
Das Gemeindehaus ist für die Anwohner ein fester Bestandteil der Siedlung. „Es hat einen toll gepflegten Gemeindesaal“, berichtet Kuhnt, der von Krabbelgruppe, Chor, Tanzkurs und Co. gern genutzt werde.
Für Kuhnts Frau Maria ist es unverständlich, nach welchen Kriterien die Gemeinde ihre Investitionsentscheidungen trifft. „Erst vor zwei Jahren haben wir hier eine komplett neue Heizungsanlage bekommen.“ Für die junge Frau steht fest: „Wir werden die Wohnung nicht kampflos aufgeben.“

Weitere Baustellen der Gemeinde


Es kommt dicke für die Kirchengemeinde Stellingen: Zwei parallel laufende Baustellen kosten ebenfalls. Zum einen muss die Orgel der Stellinger Kirche erneuert werden. 200.000 Euro liegen dafür auf dem Gemeindekonto bereit. Für den Rest – mindestens 100.000 Euro – hofft die Kirche auf Spenden.
Zum anderen braucht die Kreuzkirche am Wördemanns Weg unter anderem ein neues Dach, weil das Regenwasser nicht abgeleitet wird. Folgeschäden an der Fassade sind bereits sichtbar. Die Kosten: 300.000 Euro. Finanziert wird die Baumaßnahme durch einen Kredit, den Kirchenkreis und Spenden. „Jeder Standort ist wichtig“, betont Pastorin Gabriele Voigt. Das gelte auch für das Gemeindehaus. Derzeit sieht es aber so aus, dass das alte verschwinden und durch einen kleineren Neubau ersetzt werden wird.
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