Abriss im Februar

Außen hui, innen pfui: Das Fachwerkhaus an der Gnadenkirche sieht zwar schmuck aus, ist aber leider marode. Foto: cvs

Altes Fachwerkhaus weg, neues Gemeindezentrum her:Russisch-orthodoxe Kirche investiert 3,2 Millionen Euro im Karolinenviertel

Von Christopher Von Savigny, Karolinenviertel – Das war bisher ein schlechtes Geschäft: Zum Veranstaltungszentrum wollte die russisch-orthodoxe Gemeinde das markante Fachwerkhaus am Tschaikowskyplatz im Karolinenviertel ausbauen. Demnächst wird es abgerissen und durch einen Neubau ersetzt.
Das Gebälk des mehr als 130 Jahre alten Gebäudes war von der sogenannten gelbfüßigen Bodentermite so gut wie aufgefressen worden. Seitdem steht das Haus leer: Baugerüste (im Inneren) und Verschalungsbretter (von außen) stützen das ehemalige „Haus der Heimat“ so weit, dass es nicht in sich zusammenfällt.
Gemeindereferentin Lidia Kasakova findet das bedauerlich. „Wir hatten uns darauf eingerichtet, hier einziehen zu dürfen“, sagt sie. Rund 100.000 Euro hat die Gemeinde seit dem Kauf allein für Materialuntersuchungen ausgegeben, die Maßnahmen zur Statikverbesserung nicht mitgerechnet.
Die Abriss-Arbeiten beginnen im Februar. Anschließend soll bis Mitte 2013 ein neues Gemeindehaus für 3,2 Millionen Euro entstehen. Den Kaufpreis für das alte Gebäude bekommt die Gemeinde, beziehungsweise die Berliner Diözese der russisch-orthodoxen Kirche, von der Stadt zurückerstattet – nicht jedoch den Preis für das Grundstück. Aufgrund der hohen Kosten denkt die Gemeinde bereits über eine kommerzielle Nutzung nach. Im Gespräch sind ein Restaurant und ein Anwalts- oder Reisebüro.
Der – mit seinen großen Glasflächen äußerst modern wirkende – Bauentwurf vom Berliner Architekturbüro Springer war durch eine bezirkliche Ausschreibung ermittelt worden. Nicht alle sind vom Ergebnis überzeugt: „Es ist schade, dass das Fachwerkhaus für immer verschwindet“, sagt Markus Schreiber, Leiter des Bezirksamts Mitte. „Ich habe mich bis zum Ende für einen historisierenden Neubau ausgesprochen. Aber es war ein fairer Wettbewerb, in dem sich nun einmal
ein anderer Vorschlag durchgesetzt hat.“
Das Fachwerkhaus wurde 1881 erbaut und war einstmals Teil der Höheren Bürgerschule am Holstentor.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.