2016: Das war das Jahr in Eimsbüttel

Zwölf Monate in Kurznachrichten: Der Jahresrückblick

JANUAR

❱❱ Protest gegen Kündigungen im Schanzenhof (Foto): Das Alternativhotel Schanzenstern, die Drogenberatungsstelle Palette und Künstler müssen im Frühjahr raus. Die Eigentümer des Schanzenhofs, Maximilian und Moritz Schommartz, wollten Mieten um bis zu 40 Prozent erhöhen. Die Mieter werfen Schommartz und Gastronom Stephan Behrmann, der den Schanzenstern übernimmt, vor, sie zu verdrängen. Diese widersprechen.
❱❱ Konflikt um einen Tisch: Am Stellinger Weg / Ecke Hellkamp steht ein kleines Häuschen, das als Tauschbörse von der Nachbarschaft rege genutzt wird. Dem Bezirksamt Eimsbüttel ist das Tischchen nicht recht, es soll weg. Weil es auf öffentlichem Grund steht, niemand das beantragt hat und es eine Stolpergefahr sein könnte. Anwohner machen sich stark für die Tauschbörse, sie wird zum politischen Streitpunkt.

FEBRUAR

❱❱ Das legendäre Kir in Eimsbüttel? Am Langenfelder Damm ist eine Bar unter dem Namen des Indie-Clubs mit der langen Geschichte geplant. Keine Disco, kein Live-Club – sondern eine Art Treffpunkt für die alte Szene. Es gibt Probleme mit der Genehmigung, doch schließlich klappt alles.
❱❱ Das Bezirksamt Eimsbüttel lässt einen Zaun bauen, um Obdachlose von ihren Schlafplätzen unter einer Brücke am Isebekkanal fernzuhalten. Es gibt Protest, Anwohner fordern, den Zaun wieder abzureißen. Unter der Fahrradbrücke an der Goebenstraße hatten sich auf einem kleinen Betonvorsprung über Jahre Obdachlose eine trockene Bleibe gesucht und dort geschlafen. „Sie haben weder gestört, noch haben sie ein Saufgelage im Park veranstaltet“, schildert eine Anwohnerin die Situation. Nach massiver Kritik wird der Zaun im Herbst schließlich abgebaut.

MÄRZ

❱❱ Der Tauschtisch im Stellinger Weg darf bleiben, Anwohner Andreas Böhle stellt einen Antrag bei der Verwaltung. Wochenlang drohte das Ende der sozialen Tauschbörse, weil sich kein Bürger als Ansprechpartner beim Bezirksamt melden wollte.
❱❱ Wie stark belastet der Umbau der Osterstraße die Geschäftsleute? Das Elbe Wochenblatt sprach mit Niels Böttcher vom Quartiersverein: „In einer Straße mit knapp 200 Gewerbetreibenden gibt es kein einheitliches Stimmungsbild. Es gibt Befürworter, Skeptiker und Geschäftsleute, die das ganz gelassen nehmen, sich darauf freuen, dass es schöner wird.“

APRIL

❱❱ Die Kleiderkammer Messehallen zieht nach Altona: Die Stadt Hamburg hat für den Verein Hanseatic Help an der Großen Elbstraße Räume angemietet.
❱❱ Wenn Stephan Behrmann in den Schanzenhof kommt, wird er immer wieder mit Schimpfworten begrüßt. Hier hat der Hotelier Anfang April unter Polizeischutz die Räume des ehemaligen Hotels und Restaurants Schanzenstern übernommen. Das Wochenblatt spricht mit Behrmann und seiner Gastronomie-Partnerin Jill Bittner über die Pläne der Geschäftsleute und über die Rolle als Buhmann. Behrmann: „Das ist alles sehr hochgeschaukelt. Wir versuchen, hier im Viertel anzukommen und authentisch zu sein.“ Der Protest gegen das neue Hostel geht auch nach der Eröffnung weiter.

MAI

❱❱ Trauer um Volker Bulla: Der Lokstedter Grünen-Politiker stirbt nach einer schweren Krebserkrankung im Alter von 49 Jahren. Eimsbüttel verliert einen engagierten und fachkundigen Bezirkspolitiker, der Konflikten nicht aus dem Weg ging, aber stets fair blieb.
❱❱ Endlich wieder ein Café im Bürgerhaus der Lenzsiedlung an der Julius-Vosseler-Straße: Der Verein Ausblick Hamburg übernimmt den beliebten Treffpunkt, der zuvor wegen eines Wasserschadens und eines Betreiberwechsels längere Zeit geschlossen war.
❱❱ Neuer Hausbesitzer, Kündigung: Schock für die Kinderstube Altona in der Bartelsstraße. Die Einrichtung, die vor gut 40 Jahren als eine der ersten Hamburger Elterninitiativen an den Start ging, muss raus. „Für uns ist das eine Katastrophe, da wir überhaupt nicht damit gerechnet hatten“, sagt Leiterin Silke Decker.

JUNI

❱❱ Wo im Sommer Nathalie Leroy und Michael Beckereit stehen, rauscht jetzt eine dunkelbraune, stinkende Brühe vorbei. Nach rund vier Jahren Bauzeit ist das neue Siel von Eimsbüttel nach St. Pauli fertig: Gut dreieinhalb Kilometer lang, vom Weidenstieg bis zur Hafenstraße, im Durchschnitt 20 Meter unterhalb der Erdoberfläche, 2,40 Meter im Durchmesser. Schiet marsch!
❱❱ Das längst Fußballspiel der Welt dauert 111 Stunden. So lange spielt der FC Hamburger Berg im Schanzenpark gegen den VfL Wallhalben (Pfalz). Endergebnis: 722:568. Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde!

JULI

❱❱ Protestzug gegen „DB-Unsinn“: Anwohner und Kleingartenbesitzer demonstrieren am Försterweg in Langenfelde gegen eine geplante Baustraße der Deutschen Bahn (DB). Für den Neubau des Bahnhofs Diebsteich sollen Laster durch Kleingärtenparzellen und das Wohngebiet fahren. Anwohner befürchten viel Lärm und Schmutz.
❱❱ Einfach mal losgärtnern: „Freie Republik Eimsbüttel“ steht auf einem Schild in einem Blumenbeet an der Julius-Vosseler-Straße 98. Die freie große graue Fläche wurde auf private Kosten von Anwohnern schöner gemacht. Obwohl ihnen das Gelände streng genommen nicht gehört. Die Republik-Gärtner sind keine grünen Spinner oder Revoluzzer, sie wollen zum Nachdenken anregen: „Im Zuge der zunehmenden und wegen der Wohnungsnot verständlichen Verdichtung der Stadt verschwinden immer mehr Grünflächen“, erklärt Max, einer der Republikgärtner.
❱❱ Familie Schwan ist wieder da: Fünf Junge hat das Pärchen, das seit Jahren Anwohner rund um den Isebekkanal erfreut.

AUGUST

❱❱ Der Mittwochsmarkt an der Grundstraße versucht einen Neustart auf dem Platz vor der Apostelkirche. Wie läuft es?, fragt das Wochenblatt im Sommer. Schlechter Zeitpunkt: Wegen der Sommerferien ist Flaute, an sich sind die Händler recht zufrieden. Der Mittwochsmarkt auf der Tiefgarage an der Grundstraße hatte zuletzt immer weniger Kunden. Nicht betroffen von der Absatzflaute ist der Wochenmarkt am Sonnabend in der Grundstraße, der weiterhin floriert.
❱❱ Singen, um anzukommen: Das können Geflüchtete zum Beispiel bei der VHS im Schanzenviertel. Donnerstags um 15.30 Uhr trifft sich der internationale Chor in der Schanzenstraße 75. Mitsingen kann jeder. Die Teilnehmer kommen aus der Nachbarschaft, aus China, Iran oder Afghanistan. Das Elbe Wochenblatt lauscht bei einer Probe.
❱❱ Zwei Clubs, 60 Jahre, zwei Festivals: Der Live-Club Hafenklang an der Großen Elbstraße wird 20 Jahre alt, das Knust am Neuen Kamp 40 Jahre. Beide feiern ihre Geburtstage mit Open-Air-Konzerten – das Hafenklang auf der Schröderstifwiese, das Knust auf dem Lattenplatz vor dem Club.

SEPTEMBER

❱❱ Hamburg will fahrradfreundlicher werden, die Bezirke arbeiten an Verbesserungen an den Velorouten, also speziellen Strecken für Radfahrer. In Eimsbüttel wird zum Beispiel die Goebenstraße zu einer Fahrradstraße umgebaut, ein Großteil der Radrouten wird voraussichtlich 2017 oder 2018 verbessert.
❱❱ Knatsch um Wohnungsbau: 10.000 Wohnungen jährlich sollen in Hamburg entstehen, der Bezirk Eimsbüttel muss 1.050 Wohnungen beisteuern. Eine Folge: Fast jede freie Fläche kommt als Baugrundstück in Frage. Zwei Beispiele aus Eimsbüttel: In einem Wohnblock am Moorkamp will der Eigentümer den grünen Innenhof bebauen. In Lokstedt gibt die Stadt eine Kleingartenkolonie für 200 Wohnungen auf. Widerspruch wird ausgebremst. Der Mieterverein warnt davor, jede freie Ecke zuzubauen. Denn: „Der Bedarf an günstigem Wohnraum wird nicht erfüllt, dafür müssen mehr geförderte und langfristig günstige Wohnungen entstehen“, so Rechtsanwalt Rolf Bosse.

OKTOBER

❱❱ Plädoyer für Legalisierung: 250 Fachleute diskutieren bei einer Tagung im Schanzenviertel über die Freigabe von Drogen wie Cannabis. Stadtteilinitiativen machen sich schon länger für eine Art legalen Drogenshop in der Schanze stark, es gibt aber hohe rechtliche Hürden dafür.
❱❱ Auf der Buslinie 5 läuft es laut Hochbahn gut. Dank der aufwändigen und teuren Umbauten der vergangenen Jahre kommen die Busse schneller voran. Seite Ende Oktober werden auf der Linie mehr Busse eingesetzt. Zwischen Nedderfeld und Innenstadt kommt gut alle drei Minuten ein Bus. Zwischen Bezirksamt Eimsbüttel und Hauptbahnhof ist alle zwei Minuten ein Bus unterwegs.
❱❱ Der Jazzclub Birdland feiert seinen 30. Geburtstag.
❱❱ Das Elbe Wochenblatt berichtet mehrfach über Stolperfallen auf Gehwegen. Am Eppendorfer Weg hat die Stadt seit Jahren nichts ausgebessert. Rollstuhlfahrer und Menschen mit Rollatoren haben arge Probleme, voran zu kommen. Das Bezirksamt wiegelt zunächst ab, kurze Zeit später wird aber doch etwas getan. Geht doch!

NOVEMBER

❱❱ Vier Bäume müssen weg, damit eine neue Haltestelle gebaut wird und Busse auf dem Ring Zwei ein paar Sekunden schneller werden. So findet es die Verkehrsbehörde richtig, hat die Rechnung aber ohne die Anwohner der Unnastraße gemacht. Diese protestieren und ziehen vor das Verwaltungsgericht, im Dezember wird vorerst ein Baustopp angeordnet. Entscheidung: Im Januar.
❱❱ Mieterhöhung, Aus für einen Traditionsladen: Adda-Eis schließt nach mehr als 90 Jahren an der Osterstraße
❱❱ Kritik an Hamburgs Winternotprogramm: Es gibt etwa 1.000 Schlafplätze, es leben aber etwa 2.000 Menschen auf der Straße. In die Kritik gerät die Sozialbehörde zusätzlich, da offenbar Wohnungslose aus osteuropäischen Staaten aus dem Notprogramm rausgehalten werden sollen.
❱❱ Protest in der Lenzsiedlung in Lokstedt: Nach knapp 40 Jahren laufen die Garantien für günstige Mieten in der Hochhaussiedlung aus, ab 1. Januar sollen Mieter mehr zahlen.

DEZEMBER

❱❱ Viele Geschäfte in der Marktstraße hatten geschlossen, als am 8. und 9. Dezember in den Messehallen das Treffen der 50
OSZE-Außenminister von einem massiven Aufgebot mit gut 13.000 Polizisten gesichert wurde. Zwei Tage Straßensperrungen, Kontrollpunkte für Anwohner, Umwege und fast den ganzen Tag laut knatternde Hubschrauber in der Luft – das passte vielen nicht. OSZE war nur ein Vorlauf für das G20-Treffen im Juli 2017 – dann wird unter anderen US-Präsident Trump in Hamburg erwartet – ebenso wie zehntausende Gegendemonstranten.
❱❱ Kay Gätgens wird neuer Bezirksamtsleiter in Eimsbüttel. Mit 27 von 47 möglichen Stimmen ist der Wunschkandidat der rot-grünen Koalition gewählt worden. 17 Bezirksabgeordnete stimmten gegen ihn, drei enthielten sich. Gätgens (54) ist der bisherige Baudezernent, stammt aus Schnelsen und arbeitet seit 2001 im Bezirksamt. Dessen Leitung übernimmt er am 1. Januar.
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