145.000 Euro abgezockt – aber erst spät aufgeflogen

Erdrückende Beweislast, kein Geständnis: Gerrit C. (42) neben seinem Verteidiger Dirk Trieglaff auf dem Weg in den Gerichtssaal. C. wurde wegen Betrugs zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Foto: cvs (Foto: cvs)

Ex-Mitarbeiter Gerrit C. unterschlug Geld im Bezirksamt Eimsbüttel – das wurde erst Jahre später bemerkt

Christopher von Savigny, Eimsbüttel – "Wir müssen wohl weitermachen!“ Ein wenig resigniert klingt Rechtsanwalt Dirk Trieglaff, als er mit seinem Mandanten von einer kurzen Besprechung auf dem Gerichtsflur zurückkehrt. Der Angeklagte Gerrit C. (42) will nicht gestehen – auch nicht, nachdem ihm der Richter Strafmilderung in Aussicht gestellt hat. Dabei sind die Beweise erdrückend: „Nach alldem, was wir hier zutage gefördert haben, kann ich nur davon ausgehen, dass Sie diese Zahlungen ausgelöst haben“, sagt der Richter.
Rückblick: Als Sachbearbeiter für Wohngeldanträge im Bezirksamt Eimsbüttel soll C., so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, von 2007 bis 2008 rund 145.000 Euro für sich selbst abgezweigt haben. Der Trick: C. speiste erfundene Namen und Adressen angeblicher Empfänger in den Computer ein und gab die Nummern zweier eigener Konten an. In 31 Fällen, so die Anklageschrift, klappte das verbotene Geschäft, jedesmal konnte C. Beträge zwischen 3.000 und 5.000 Euro einstreichen. Erst Anfang 2011 flog der Schwindel auf – als C. schon lange den Arbeitsplatz gewechselt hatte.
Warum erst so spät? Darüber wundert sich auch der Vorsitzende. Immerhin sei doch ein Teil von C.'s Anträgen in der routinemäßigen Stichprobenkontrolle gelandet. Und trotzdem habe keiner etwas gemerkt? Eine weitere Mitarbeiterin des Bezirksamts, Sigrid W., ist als Zeugin geladen. „Wir waren fürchterlich unter Druck“, gibt sie zu Protokoll. Man sei mit den Anträgen kaum hinterher gekommen. Erst im Dezember 2010 wird die Zeugin stutzig, als sie C.'s Namen als Kontoempfänger auf etlichen Anträgen wiederfindet. „Ich dachte sofort, da ist etwas faul“, sagt sie. Das Bezirksamt erstattet Anzeige, C. wird in Rellingen aufgespürt. Dort hat er wieder eine Stelle in der Verwaltung gefunden.
Nach Angaben der Polizei ist von dem Geld nichts mehr da. C. soll es dazu verwendet haben, eigene Schulden abzubezahlen. Aufgrund der Schadenshöhe und des fehlenden Geständnisses greift das Gericht jetzt hart durch. Das Urteil: drei Jahre und sechs Monate Gefängnis – ohne Bewährung.
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