13-Jähriger legte das Todesfeuer – warum?

Eimsbütteler Straße 75: Hier starben eine Mutter aus Pakistan und ihre beiden Söhne. Anwohner haben Blumen niedergelegt.
 
Eimsbütteler Straße 75: Hier starben eine Mutter aus Pakistan und ihre beiden Söhne. Anwohner haben Blumen niedergelegt. Das Aufräumen in dem stark beschädigten Haus hat bereits begonnen.

Eimsbütteler Straße 75: Ein Junge aus Altona zündelte in dem Flüchtlingshaus – drei Menschen starben

Er galt bei Nachbarn als höflich und hilfsbereit. Auch in der Jugendfeuerwehr Altona fiel er durch seine freundliche Art auf. Es wurde überlegt, ihn zum Sprecher der Jugendgruppe zu machen. Vorige Woche wurde dieser Junge, 13 Jahre alt, zum Brandstifter: In einem Haus in der Eimsbütteler Straße entfachte der Heranwachsende ein tödliches Feuer (siehe Kasten).
Freitagmorgen: Es ist eineinhalb Tage her, dass der Brand eine pakistanische Mutter (33) und ihre beiden Söhne (sechs und sieben Jahre alt) tötete. Vor dem Haus legen Trauernde Blumen nieder und gedenken der Opfer. Hinter der Polizei-Absperrung tragen Arbeiter verkohlte Möbelstücke und Schutt aus dem Treppenhaus. Das Aufräumen hat begonnen. In dem Haus lebten 46 Menschen, die meisten von ihnen Flüchtlinge und Asylbewerber. Einige der Bewohner, die gerettet wurden, stehen vor ihrem alten Zuhause und erzählen von der Brandnacht. „Alles war voller Qualm. Mein Vater wollte noch ein
Fenster im Treppenhaus öffnen, aber das war vernagelt, der Griff war ab“, sagt Noorana Babaeva (19). Sie und ihre Familie harrten im Kinderzimmer aus, bis die Feuerwehr sie rettete. In das Haus zurückkehren will sie nicht: „Das ist komisch.“
Die Ermittler haben unterdessen eine heiße Spur: Eine Zeugin habe einen Jungen beobachtet, der am Alsenplatz in den Bus stieg und aufgeregt etwas von einem Feuer erzählt haben soll. Er trug eine Jacke der Jugendfeuerwehr. Über Videoaufnahmen aus dem Bus können die Ermittler den 13-Jährigen identifizieren. Am Sonnabend die Gewissheit: Der Junge legte das Feuer! Warum? Diese quälende Frage stellten sich viele.
Am Sonntag erklärt der behandelnde Jugendpsychiater Michael Schulte-Markwort: „Der Junge kannte weder das Haus noch seine Bewohner. Er ist kein notorischer Brandstifter, (...) Am Mittwoch hatte er für alle unvorhersehbar und plötzlich den Impuls, Papier in einem ihm unbekannten Haus anzuzünden. Die Folgen seines Handelns waren ihm nicht klar.“
Der 13-Jährige und die Brandstiftung: Es bleibt vorerst ein großes Rätsel.


Das Unglückshaus


Mittwochabend, 5. Februar, kurz nach acht Uhr abends: dichter Rauch im Treppenhaus des Hauses Eimsbütteler Straße 75, Bewohner rufen die Feuerwehr. 46 Menschen leben in dem fünfgeschossigen Altbau, Flüchtlinge und Asylbewerber. Die meisten kann die Feuerwehr retten. Für die Familie im Dachgeschoss können die Retter nichts mehr tun. Der tödliche Qualm zog im Treppenhaus nach oben, vermutlich
erstickten die 33-jährige Frau und ihre beiden Söhne (sechs und sieben Jahre alt). Insgesamt werden 27 Menschen verletzt.
Das Haus ist vorerst unbewohnbar, es wird saniert. Die städtische Gesellschaft „Fördern und Wohnen“ hatte das Gebäude für Flüchtlinge und Asylbewerber angemietet. Für die meisten Bewohner konnten Ersatzunterkünfte gefunden werden, allerdings über die Stadt verstreut. Manche Familien kamen bei Verwandten oder Freunden unter.

Erklärungen und Reaktionen


Professor Michael Schulte-Markwort, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des UKE:
„Die Tat war weder politisch noch persönlich motiviert. Der Junge kannte weder das Haus noch seine Bewohner. Er ist kein notorischer Brandstifter, der die Feuerwehr einmal bei einem richtigen Einsatz erleben wollte. Seine Mitgliedschaft bei der Jugendfeuerwehr war ihm aufgrund des Zugehörigkeitsgefühls sehr wichtig. Es handelt sich um einen ungerichteten aggressiven Impuls, der nicht vorhersehbar war. Am Mittwoch hatte er für alle unvorhersehbar und plötzlich den Impuls, Papier in einem ihm unbekannten Haus anzuzünden. Die Folgen seines Handelns waren ihm nicht klar. Keinesfalls wollte er das Haus anzünden. Wir können und dürfen nicht alle Fragen beantworten. Unsere Aufgabe ist es, den Jungen so zu behandeln, dass er trotz dieser schweren Schuld weiterleben kann.“

Mitteilung der Feuerwehr Hamburg:
„Die Feuerwehr Hamburg spricht allen Opfern, Verletzten und Angehörigen ihr tief empfundenes Beileid und Mitgefühl aus und wünscht insbesondere den Verletzten eine baldige und vollständige Genesung. Seitens der Feuerwehr Hamburg wird dieser Vorfall aktiv und uneingeschränkt intern analysiert und aufgearbeitet, um gezielte Rü̈ckschlü̈sse gerade für die sehr erfolgreiche Jugendarbeit, die in den 53 Jugendfeuerwehren der Feuerwehr Hamburg fü̈r aktuell ü̈ber 900 Jungen und Mädchen seit mehr als vier Jahrzehnten tagtä̈glich praktiziert wird, zu erlangen.“
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