Schutzsuchende hinter Stacheldraht

Beklemmende Szenen in Elfriede Jelineks „Die Schutzbefohlenen“ am Thalia Theater. Die Inszenierung wurde für das Theatertreffen 2015 in Berlin ebenso eingeladen wie zu den Mülheimer Theatertagen. Foto: Krafft Angerer

Thalia Theater und Flüchtlinge der Lampedusa Gruppe mit Elfriede Jelineks „Die Schutzbefohlenen“ – Freikarten

René Dan, Hamburg

Rund 15 Schwarzafrikaner stehen in kleinen Gruppen und unterhalten sich. Dann formieren sie sich zu einer Reihe, stürmen nach vorne, halten an und rufen, die Hände zu Fäusten geballt, auf Englisch: „Wir sind hier! Wir werden bleiben! Wir werden für Freizügigkeit kämpfen!“ – So der Anfang von Elfriede Jelineks „Die Schutzbefohlenen“ im Thalia Theater. Schauspieler bringen das Stück der Nobelpreisträgerin gemeinsam mit Flüchtlingen aus der Hamburger Lampedusa Gruppe auf die Bühne. Das Elbe Wochenblatt verlost drei mal zwei Karten für die Aufführung am Donnerstag, 16. April, um 20 Uhr.
Beklemmende Momente kennzeichnen diesen Theater-abend. So etwa, wenn Asyl-
suchende und Schauspieler die Theaterbesucher mit Schicksalen von Flüchtlingen konfrontieren: Junge Männer und Frauen, die Verwandte verloren haben. Menschen, die als einzige ihrer Familie blutige Massaker überlebt haben. Flüchtlinge, die Todesangst in den Booten auf dem Mittelmeer erleben und mitansehen müssen, wie Männer, Frauen, Kinder ertrinken.
„Wo waren Sie?“, fragen drei Schauspieler als eine Art antiker Chor – Jelinek verwebt das Flüchtlingsdrama mit Motiven aus Aischylos Tragödie „Die Schutzflehenden“ – ins Publikum und meinen damit auch die europäische Öffentlichkeit. Eine Gesellschaft, die Flüchtlinge mehr oder minder gleichgültig ihrem Schicksal überlässt und sie sich mit Stacheldraht und Frontex-Agentur vom Leib hält.
Doch Regisseur Nicolas Stemann zeigt ebenfalls auf, dass die Aufnahme von Flüchtlingen unbequem sein kann und Opfer erfordert. So wird etwa einer der Schauspieler plötzlich von einem dunkelhäutigen Kollegen ersetzt und von dem neuen Trio ausgegrenzt.
Wer die von der Kritik hochgelobte Aufführung kostenlos sehen möchte, sendet bis Montag, 6. April, eine Postkarte mit Absender und Telefonnummer an: Elbe Wochenblatt, Stichwort „Die Schutzbefohlenen“, Harburger Rathausstraße 40, 21073 Hamburg. Oder per E-Mail, mit dem Betreff „Gewinne: Die Schutzbefohlenen“, an post@wochenblatt-redaktion.de
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Die Schutzbefohlenen
von Elfriede Jelinek im Thalia Theater, Alstertor 1, am 16. April, 6. Mai sowie 1. Juni jeweils um 20 Uhr, am 5. Juli um 17 Uhr. Karten zwischen sieben und 35 Euro auf
❱❱ www.thalia-theater.de und unter Tel. 32 81 44 44.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.