Statt "Old-School" neue Gesprächskultur

Daniel Gehrke (r.) und sein gepeinigter Gesprächspartner. Foto: fs

ETV II-Trainer Daniel Gehrke fokussiert sich teils mehr auf den Unparteiischen als aufs Spiel gegen West-Eimsbüttel

Fritz Schenkel, Eimsbüttel

Nähe herstellen und Vertrauen schaffen. Jeder regelmäßige „Tatort“-Kucker weiß, dass mit dieser Grundregel für Verhörspezialisten die subtile Beeinflussung von Menschen beginnt. Die Älteren unter uns können sich vielleicht noch an Lothar Matthäus oder Stefan Effenberg erinnern. Keine Verhörspezialisten, aber wahre Meister darin, auf´m Platz Nähe zum Schiedsrichter herzustellen und ihn durch ein Palaver bei jeder sich bietenden Gelegenheit mehr oder weniger subtil in ihrem Sinne zu beeinflussen.
Aber eigentlich geht es ja um die Fußball-Kreisliga 2, genauer gesagt um das Beinahe-Derby ETV II gegen West-Eimsbüttel. Obwohl seine Mannschaft mit 0:1 hinten liegt, kommt ETV-Trainer Daniel Gehrke gut gelaunt aus der Halbzeitpause. Nur ab und an versucht er, auf seine „Jungens“ einzuwirken. „Du spielst wie Günter Netzer. Das ist Old-School!“ Woher soll ein Mitte-90er-Jahrgang wissen, wie Günter Netzer gespielt hat?
Gehrke ist mehr damit beschäftigt, auf eine unaufdringliche Art und Weise Nähe zum Linienrichter herzustellen. Pfiffe erzeugen Diskussionsbedarf. Die „Linie“ erläutert bereitwillig. Fast beiläufig nimmt der Trainer zur Kenntnis, dass seine Mannschaft durch zwei schnelle, erfolgreiche Konter die Partie dreht.
Gehrke beginnt, aus dem Nähkästchen zu plaudern: „Ich bin mal vom Platz geflogen, weil ich einem Linienrichter die Fahne aus der Hand genommen habe.“ Der Angesprochene lacht kurz und eilt dann Richtung Mittellinie. Ballhöhe geht vor Höflichkeit.
Das Trainergespann West-Eimsbüttels ist in dieser Hinsicht krass benachteiligt. Das Revier des Linienrichters endet an der Mittellinie, nie kommt er in die Reichweite eines vertraulichen Gesprächs. Nach Rücksprache mit der eigenen Buchhaltung kommt nur der lautstarke Versuch einer Gesprächsaufnahme in Richtung des Spielleiters in Frage: „Schiri, der 6er ist langsam mal fällig, das war schon sein achtes Foul.“ Fällig ist kurz darauf „Wespes“ Sam Elliott, nachdem er ETV-Keeper Henry Kern mit gestrecktem Beim in einen Salto gezwungen hat. Rot bleibt unstrittig, Diskussionen und Rudelbildung halten sich im wohltuenden Rahmen der gesamten Partie, die der ETV II letztlich mit 3:1 gewinnt. Matthäus und Effenberg können ja so was von Old-School sein.
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