Blechkugeln im runden Leder: Blindenfußball!

St. Paulis Jonathan Toensing tauchte im Spiel gegen Berlin allein vor dem gegnerischen Tor auf ; der sehende Keeper darf seinen kleinen Strafraum aber nicht verlassen. Foto: pr
Hamburg: FC St. Pauli, Blindenfußball |

Auch Sehende können beim FC St. Pauli kicken –
Nachwuchstalent Jonathan Toensing bereits Nationalspieler

Rainer Ponik, Hamburg-West

Als die Deutsche Blindenfußball Liga (kurz: DBFL) 2008 den Spielbetrieb aufnahm, zählte der FC St. Pauli zu den Gründungsmitgliedern. Schon zwei Jahre zuvor wurde bei den Braun-Weißen eine eigene Abteilung gegründet, die heute etwa 45 Mitglieder umfasst, von denen etwa 15 Blinde und etwa acht Sehende noch aktiv gegen den mit rasselnden Blechkugeln gefüllten Ball treten.
„Feldspielern dürfen nicht mehr als etwa 15 Prozent Sehkraft haben, wenn sie in der Bundesliga spielberechtigt sein sollen“, erklärt Wolf Schmidt, der die Blindenfußballer vom FC St. Pauli seit 2009 trainiert. Die Torhüter sind dagegen stets Mitspieler, die sehen können. „Das wäre auch gar nicht anders möglich, denn sie müssen den Abwehrspielern durch Kommandos Hilfestellung geben“, erklärt Wolf Schmidt.
Wer die Spiele der Bundesliga einmal „live“ verfolgen wollte, hatte dazu vor ein paar Wochen Gelegenheit. Auf dem Gelände der Blinden- und Sehbehindertenschule am Borgweg 17a, wo auch das wöchentliche Training des FC St. Pauli stattfindet, stieg der vorletzte Bundesligaspieltag.

Nach Kantersieg gegen Köln von Marburg geschlagen


Die Gastgeber hatten sich ein großes Ziel gesetzt: Mit einem Sieg gegen Tabellenführer Marburg hätten die Schützlinge von Wolf Schmidt einen großen Schritt in Richtung Deutsche Meisterschaft machen können.
Nach einem 7:0-Auftaktsieg gegen die SG Köln-Köppern machte sich unter den rund 200 Fans großer Optimismus breit. Doch das Spiel gegen den amtierenden Deutschen Meister aus Marburg ging knapp mit 0:1 verloren. „Marburg hat uns kalt erwischt, den Ball schon nach zwölf Sekunden an unserem Keeper Sven Gronau vorbei ins Tor gehämmert“, erklärt Wolf Schmidt.
Auch wenn St. Pauli einen Tag später noch ein sicherer 3:0-Erfolg gegen Viktoria Berlin glückte, ist der Traum vom Titelgewinn erstmal vorbei. Vom Trübsalblasen ist man beim Kiezclub aber weit entfernt. „Ich erlebe hier eine tolle Entwicklung. Das beste Beispiel dafür ist Jonathan Toensing“, lobt Wolf Schmidt seinen 16-jährigen Torjäger, der bereits in die Deutsche Nationalmannschaft berufen wurde.
Blinde, aber auch Sehende, die Blindenfußball interessiert, können sich auf der Internetseite blindenfussball@fcstpauli.com informieren – und sehr gern einmal beim Training am Borgweg vorbeischauen.
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