Zu zweit auf zehn Quadratmetern

Unterkunft Luruper Hauptstraße: Stadt verweigert Geflüchteten Einzelzimmer, obwohl der Platz vorhanden wäre

Carsten Vitt, Lurup

Es ist eng in den Zimmern der Wohnunterkunft Luruper Hauptstraße. 10,6 Quadratmeter stehen zwei Geflüchteten zum Wohnen, Essen, Lernen und Ausruhen zur Verfügung. Helfer der Initiative Willkommen in Lurup fordern, dass jeder Bewohner ein einzelnes Zimmer bekommt – bisher jedoch vergeblich. Das Elbe Wochenblatt beantwortet die wichtigsten Fragen.
Haben die Bewohner ausreichend Platz?
Offenbar nicht. Das Containerdorf ist zwar eine Folgeunterkunft, hat aber eher den Standard einer Erstaufnahme. Laut Ehrenamtlichen ist es ehr eng, den Bewohnern fehlt Privatsphäre, Raum zum Ausruhen und Lernen. Mit zwei Betten, einem Schrank, Tisch und Stuhl sind die Zehn-Quadratmeter-Zimmer vollgestellt, für persönliche Sachen gibt es kaum Platz. Eine Art ständige Campingsituation, die immer wieder zu Spannungen führt.
Da die Küchen in den Wohngebäuden zu klein sind, um dort zu essen, nehmen die Bewohner ihre Mahlzeiten ebenfalls im Zimmer ein. Zudem fehlen laut Ehrenamtlichen vor allem Gemeinschaftsräume oder separate Zimmer, in denen die meist jungen Leute mal für sich sein oder in Ruhe lernen können.

Ändert sich daran etwas?
Bisher nicht. Ende Juni soll die Unterkunft von bisher 912 Plätzen auf maximal 456 verkleinert werden, das ist eine Forderung aus dem Bürgervertrag, den lokale Initiativen mit dem Senat ausgehandelt haben (siehe unten). Doch auch ab Juli sollen keine Einzelzimmer für die Bewohner zur Verfügung stehen. Der Betreiber plant derzeit offenbar, freiwerdende Zimmer an Studierende zu vermieten. Zudem sollen zwei Häuser nur Familien zur Verfügung stehen. Einzelzimmer sind nur in begründeten Ausnahmefällen vorgesehen, zum Beispiel für kranke Bewohner oder Auszubildende, die viel lernen müssen.

Warum gibt es keine Einzelzimmer?

Die Stadt hält es für nicht vertretbar, den Platz in der Unterkunft statt für zuvor 912 Menschen nun „nur“ 456 Menschen zur Verfügung zu stellen. Argument: wirtschaftliche Erwägungen. Über die Kooperation mit dem Studierendenwerk sollen zudem Mieteinnahmen reinkommen. Aus Sicht der Ehrenamtlichen wäre es kein Luxus, den verbliebenen Bewohnern Einzelzimmer zu gewähren. „Es ist vielmehr die drängende Bitte, den Geflüchteten Privatsphäre und eine Perspektive zu geben und sich in Hamburg willkommen zu fühlen“, betont eine Helferin.

Bürgervertrag
Im Sommer 2016 haben lokale Bürgerinitiativen mit dem Senat Bürgerverträge für Flüchtlingsunterkünfte in den Stadtteilen abgeschlossen. Kerninhalte: viele kleine Wohnstätten, maximal 300 Menschen in einer Unterkunft und mehr Bemühungen um Integration. Mit der Initiative aus Lurup, Osdorf, Bahrenfeld (LOB) wurde unter anderem vereinbart, die Unterkunft Luruper Hauptstraße bis Ende Juni 2017 auf 456 Plätze zu verkleinern, 2018 auf 300 Plätze. Gemeinsam mit der Initiative Willkommen in Lurup und der Bezirksversammlung Altona setzt sich LOB für Verbesserungen in der Unterkunft ein, zum Beispiel Einzelzimmer oder WLAN. CV
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