Wie viel Zuwachs verträgt Eidelstedt?

Neubauten für Hunderte Menschen entstehen im Stadtteil, Bürger sorgen sich darum, dass es nicht zu viele werden. Foto: panthermedia

Flüchtlingsquartiere: Die Stadt und eine Bürgerinitiative streiten über Größe und Bewohnergruppen

Carsten Vitt, Eidelstedt

In Eidelstedt werden zwei Wohnquartiere für Flüchtlinge gebaut: Bis zu 1.800 Menschen könnten dort einziehen. Wie viele Neubürger der Stadtteil verkraften kann, ist weiterhin umstritten. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist strittig?
Vor allem die Dimension des Quartiers Hörgensweg und die Regeln, wer dort einzieht. Gebaut werden dort insgesamt 800 Wohnungen, 350 davon als Sozialwohnungen. Wie viele Flüchtlinge dort einziehen werden, ist derzeit offen. Die Zahl hängt von einer Klausel ab, wie weit der Bebauungsplan für das gesamte Gebiet ist – und zwar zu dem Zeitpunkt, wenn die ersten Wohnungen bezugsfertig sind. Ist der Plan im Prinzip genehmigungsfähig, können etwa 600 Flüchtlinge einziehen. Ist er es noch nicht, können bis zu 1.400 Menschen einziehen. Geregelt ist das in einem Bürgervertrag, den der Senat im Sommer 2016 mit lokalen Initiativen ausgehandelt hat. Die Eidelstedter Vertreter unterzeichneten diesen nicht, der Senat will sich trotzdem daran halten.



Wie viele Menschen ziehen denn 2018 ein?
Derzeit geht das Bezirksamt Eimsbüttel davon aus, dass der Plan im nächsten Jahr so gut wie fertig ist und demnach in 175 Wohnungen 600 Geflüchtete einziehen können. Die übrigen 175 sollen dann an andere Gruppen vergeben werden – Azubis, Studenten oder Senioren. Laut Stadtentwicklungsbehörde ist im zweiten Bauabschnitt (450 Wohnungen) vorgesehen: „ein Mix aus weiteren öffentlich geförderten Wohnungen und Mietwohnungen, die frei finanziert entstehen“.

Gibt es Zweifel, dass das auch so kommt?
Ja, die Initiative Sozial gerechtes Eidelstedt befürchtet, dass dennoch die Maximalzahl an Flüchtlingen im Quartier unterkommt, unter anderem durch Umzüge in die anderen Wohnungen, die streng genommen nicht als Flüchtlingsquartier gelten. Die Initiative pocht deshalb darauf, dass Geflüchtete auf alle Fälle in anderen Stadtteilen auf Wohnungssuche gehen sollen, wenn sie eine Bleibeperspektive haben. Zudem soll die Saga in ihren Häusern in Eimsbüttel, Rotherbaum oder Hoheluft bevorzugt Flüchtlinge unterbringen.

Warum das?
So wären die Flüchtlinge nicht in einem großen Neubauquartier unter sich, sondern könnten in einem gewachsenen Stadtteil integriert werden, argumentiert die Initiative. Vorgesehen ist ein Mix aus weiteren öffentlich geförderten Wohnungen und Mietwohnungen, die frei finanziert entstehen, also ohne öffentliche Förderung. Der Haken: Im Eimsbütteler Kerngebiet gibt es sehr wenige Sozialwohnungen, die zur Verfügung stehen. Gerade deshalb wird das große Quartier in
Eidelstedt gebaut.


Die Fakten

- Wohnquartier Duvenacker (Saga): 100 Wohnungen / 400 Menschen
- Wohnquartier Hörgensweg (Fewa/PGH): 350 Sozialwohnungen
Einzug von 600 oder bis zu 1.400 Geflüchteten
weitere 450 Wohnungen, in die Azubis, Studenten, Geringverdiener oder Familien einziehen sollen – etwa 1.400 weitere Bewohner

- Eidelstedts Bevölkerung wächst bis 2020 insgesamt um etwa zehn Prozent

- Zwei Kitas mit insgesamt 160 Plätzen sind geplant

- 180 neue Schüler sollen an vorhandenen Schulen unterkommen

- Stadtteiltreffs (Reewie-Haus, Wichernhaus, Bürgerhaus) werden gestärkt
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