Wenn Papa fehlt

Für Kinder ist der Verlust eines Elternteils ein schwerer Schlag, im Trauerzentrum in Eimsbüttel gibt es Hilfe. Foto: panthermedia

Wie trauernde Kinder und Jugendliche der Start in die Schulzeit belastet

Sören Reilo, Hamburg-West
Nach den Ferien immer diese Fragen: Wo wart ihr? Wie war es? Was hast Du erlebt? Eine Antwort auf diese Fragen war für Leo früher ganz einfach, er hat sich sogar gefreut, berichten zu können: vom Urlaub in Österreich, auf Mallorca oder an der Ostsee – mit der ganzen Familie. Besonders schön war, dass da auch der Papa mit ihm immer viel gemacht hat. Aber dieses Jahr ist alles anders: Seit der Vater des Neunjährigen Anfang des Jahres an einem Herzinfarkt gestorben ist, ist gar nichts mehr so, wie es vorher war.
„Und? Wie war’s bei dir?“ ist deshalb eine gefürchtete Frage für Kinder, die Mama oder Papa verloren haben. Unterstützung in dieser schwierigen Zeit finden sie im Hamburger Zentrum für Kinder und Jugendliche in Trauer. Die Kinder dort wissen auch ohne große Worte, wie es einem in einer solchen Situation geht. „Die Gruppe ist mit das Wichtigste, was helfen kann“ sagt Maria Traut, eine der Trauerbegleiterinnen des Zentrums in der Sophienallee. „In der Gemeinschaft mit Gleichaltrigen erfahren die Kinder, dass ihre Gefühle ganz normal sind. Eine schwierige Situation zu verlassen, also wegzugehen, wäre eine Möglichkeit. Manchmal erleben sie aber auch an einem anderen Kind eine Verhaltensweise, die auch ganz gut zu ihnen passen könnte. Nämlich zu sagen, wie es ist: dass die Ferien traurig sind, seit der Papa nicht mehr lebt.“
Aus diesem Grund sind die Trauergruppen, die 14-täglich und jeweils zwei Stunden lang stattfinden, nach Alter zusammengesetzt. Es gibt insgesamt sieben Gruppen – für Kinder ab etwa fünf Jahren bis hin zu jungen Erwachsenen. Betreut werden sie jeweils von zwei ausgebildeten Trauerbegleiterinnen.
Für Leo waren diese ersten großen Ferien ohne Vater „ganz okay“, die Familie war bei den Großeltern, man hatte ein bisschen Abwechslung. Vielleicht wird es ja mit der Zeit weniger traurig.

Trauerzentrum
Das Hamburger Zentrum für Kinder und Jugendliche in Trauer bietet Beratung und Begleitung für junge Menschen an, von ersten Informationen am Telefon bis hin zu regelmäßigen Gesprächen in schwierigen Phasen. Das Angebot richtet sich sowohl an betroffene Familien und Erziehende als auch an Kitas oder Schulen. Zentral sind Trauergruppen, in denen Betroffene mit Gleichaltrigen über ihre Gefühle und Gedanken sprechen können.Für die Begleitung der Gruppen werden im Zentrum Trauerbegleiterinnen ausgebildet. Der Verein finanziert sich seit seiner Gründung 2009 allein über Spenden, die beschafft werden müssen.

❱ Hamburger Zentrum für Kinder und Jugendliche in Trauer e.V.
Sophienallee 24 20257 Hamburg Tel. 22 94 44 80
❱❱ www.kinder-in-trauer.org
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