Warum an Werner Hilpert erinnert werden muss

Setzte sich in Eidelstedt für günstigen Wohnraum ein: Werner Hilpert. Foto: KAS
 
Das Hilpert-Denkmal am Alpenrosenweg: In der jetzigen Form ist nicht klar, woran hier genau erinnert werden soll. Foto: jbd

Enkel macht sich stark für Denkmal in der Eisenbahnersiedlung

Carsten Vitt, Eidelstedt

Die Sanierung des Hilpert-Denkmals in der Eidelstedter Eisenbahnersiedlung hat eine lebhafte Debatte ausgelöst (das Elbe Wochenblatt berichtete). Im Interview mit dem Elbe Wochenblatt macht sich Hans-Werner Dildei, der Enkel von Werner Hilpert, für den Erhalt des Denkmals stark.

Elbe Wochenblatt: Werner Hilpert kennt heute in Eidelstedt so gut wie niemand mehr – warum soll das Denkmal bestehen bleiben?

Hans-Werner Dildei: Es kann zu einer Erinnerungsstätte werden, die auch auf aktuelle Themen Bezug nimmt. Mein Großvater hat als Vorstand der Deutschen Bahn daran mitgewirkt, dass in Eidelstedt günstige Wohnungen für Angestellte gebaut werden. So steht dieses Denkmal auch für das soziale Engagement ehemaliger großer Arbeitgeber für deren Bedienstete. Alleine dies wäre es wert, mit einer entsprechenden Tafel am Denkmal erwähnt und angemahnt zu werden.

Wofür kann ihr Großvater zudem ein Beispiel sein?

Werner Hilpert trat als Politiker dem „braunen Mob“ in der Nazizeit unter Einsatz seines Lebens entgegen und war sechs Jahre im KZ Buchenwald inhaftiert. Er kann Vorbild sein, zu seinen Überzeugungen zu stehen und für eine Aussöhnung mit jüdischen Mitbürgern einzutreten. Sich diskriminierenden und menschenverachtenden Strömungen entgegen zu stellen – das ist heute wichtiger denn je. Dieser Aspekt der Biografie meines Großvaters ist übrigens der ursprüngliche Anlass für das Denkmal gewesen.

Eidelstedtern fehlt an dem Denkmal der Bezug zu ihrem Stadtteil, wie kann man das hinbekommen?

Zum Beispiel mit einer Hinweistafel, die mehr über den Menschen Werner Hilpert und sein Wirken für Bahnangestellte in Eidelstedt erzählt. Ein Denkmal und ein entsprechend gestalteter Treffpunkt mit Sitzbänken schließen sich nicht aus, und eine solche „Symbiose“ könnte bewirken, dass die hinter dem Denkmal stehenden Werte „Früchte“ tragen, indem an Menschen mit Zivilcourage und gesellschaftlichem Engagement erinnert wird.

Viele Bürger halten das jetzige Denkmal für hässlich ...

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten, zu akzeptieren ist aber, dass ein Denkmal Zeugnis eines bestimmten Zeitgeistes ist. Und ich gehe davon aus, dass ein Großteil der „Hässlichkeit“ der ungepflegten und teilweise vom Verfall betroffenen Bausubstanz geschuldet ist.

Werden Sie sich an der Sanierung finanziell beteiligen?

Ob wir uns als Familie finanziell daran beteiligen werden, vermag ich derzeit nicht zu sagen. Wir stehen mit der Eigentümerin des Grundstücks in Kontakt und haben unmissverständlich mitgeteilt, dass diese dafür Sorge zu tragen hat, dass dieses Denkmal, das faktisch in deren Eigentum übergegangen ist, entsprechend saniert wird. Eine Antwort steht bislang noch aus. Vorstellen könnte ich mir, eine Gedenktafel mit Erklärung, wofür das Denkmal eigentlich steht, auf meine Kosten anbringen zu lassen.

Zur Person: Werner Hilpert

Werner Hilpert, geboren 1897 in Leipzig, war Politiker und Wirtschaftsberater. In Sachsen engagierte er sich in der Zentrumspartei, einem Vorläufer der späteren CDU. Der Katholik setzte sich für entrechtete Juden ein und geriet in Konflikt mit dem Nazi-Staat. Von 1939 bis 1945 war er im Konzentrationslager Buchenwald inhaftiert. Nach Kriegsende zog er nach Hessen, wo er die CDU mit aufbaute. Später wurde er dort Wirtschafts- und Finanzminister. Von 1952 bis 1957 war er Direktor der Deutschen Bahn, setzte sich unter anderem für sozialen Wohnungsbau ein. Hilpert starb 1957 im hessischen Oberursel. CV

Pläne zur Sanierung

Das Denkmal für Werner Hilpert wurde im Alpenrosenweg 41 in der Eisenbahnersiedlung errichtet. Es soll an den ehemaligen Bundesbahnvorstand erinnern, der von 1952 bis zu seinem Tod 1957 an der Spitze des Unternehmens stand. 1964 wurde in der Siedlung auch eine Straße nach Hilpert benannt.Anlass für die geplante Sanierung des Denkmals ist das Förderprogramm, das für das Eidelstedter Zentrum, die Eisenbahnersiedlung und die geplanten Flüchtlingsquartiere am Hörgensweg und Duvenacker gilt. Demnach soll die Hilpert-Siedlung aufgewertet werden, im Gespräch sind der Neubau von Wohnhäusern und die Renovierung bestehender Gebäude.
Das Denkmal und sein Umfeld sollen saniert und als Aufenthaltsfläche neu gestaltet werden. Geschätzte Kosten: etwa 36.000 Euro, zwei Drittel müsste die Vonovia, Eigentümerin der Siedlung, übernehmen, ein Drittel kommt aus dem Förderprogramm. CV
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