Von Eidelstedt hinaus in die Welt

Schätzt das Bekannte und hat Freude am Reisen: Detlef Bauer. Foto: kp flügel

Detlef Bauer stand mit 60 ohne Frau und Job da –
dann baute er sich sein Leben neu auf

KP Flügel, Eidelstedt

Detlef Bauer (71) mag Abenteuer und Erlebnisse. In einem Alter, in dem andere sich an Gewohntem festhalten, will er immer wieder raus. Jedes Jahr eine große Reise machen. Sein Weg dahin war nicht freiwillig.
Mit 60 Jahren wurde der Eidelstedter von seinem Arbeitgeber in Rente geschickt, dann trennte sich seine Frau nach 25-jähriger Ehe von ihm. „Andere verzweifeln, ich packte mich am Schopf, buchte einen dreimonatigen Langzeiturlaub in der Türkei. Ich nahm mir vor, nicht zu rauchen, nicht zu viel Alkohol zu trinken und nichts mit Frauen anzufangen.“ Schmunzelnd gesteht er: „Aber nichts davon hat funktioniert.“
Seitdem zieht es ihn immer wieder hinaus in die weite Welt. Über seine Reiseerlebnisse hat er das Buch „Mit siebzig in die Wanten“ veröffentlicht. „Mir ging es nicht um die Darstellung der Orte, sondern um die Schilderung der Begegnungen mit Menschen, mit denen ich mich gut verstanden habe, ohne dass ich deren Sprache immer verstanden habe.“
Beim Reisen hat Detlef Bauer viel über sich erfahren. „Ich war ein Workaholic. Das habe ich nie bedauert. In der Familie habe ich in erster Linie nicht an mich gedacht, sondern an die Kinder, an meine Frau, deren Wünsche ich erfüllen wollte.“
Gern denkt Detlef Bauer an einen Segeltörn in der Ägäis zurück, eine Singlereise für Menschen zwischen 30 und 40 Jahren. „Die hatte ich mir im Internet ersteigert.“ Für ihn kein Problem, mit Jüngeren zu segeln. Später stand eine Atlantiküberquerung auf einem Segelschiff, der „Eye“, von Teneriffa nach Saint-Martin in der Karibik an. Während der Überfahrt stieg er sogar in die Wanten, um in den Mastkorb zu gelangen. Seine Kinder und Freunde hatten sich Sorgen um ihn gemacht, also schrieb er von unterwegs E-Mails, um sie zu beruhigen.
Zurück in Hamburg entstand die Idee für das Buch. Natürlich, erzählt Detlef Bauer, sei er ein Stück weit auf dem Jacobsweg gewandert. Schnell kam er an seine Grenzen. „Ich fühlte mich überfordert und mir kamen Erinnerungen hoch, wie ich als Kind in den Ruinen gespielt habe. Zugleich habe ich all denen vergeben, die mir in meinem Leben übel mitgespielt haben, und auch ich habe mich mit mir selbst versöhnt.“

Kurzbiografie
Detlef Bauer, geboren 1945 auf St. Pauli, lernte Speditionskaufmann und arbeitete in Großkonzernen. Zuletzt – bis 2005 – war er Leiter eines Seniorenwohnheims in Bergedorf. „Ab da begann mein Leben!“, sagt er. Seitdem ist er einmal im Jahr auf längeren Reisen. Bauer lebte 30 Jahre in Eidelstedt, nun wohnt er ein Stück weiter in Halstenbek. Im Frühjahr veröffentlichte er sein Buch „Mit siebzig in die Wanten“ (Ruhland Verlag, 14,80 Euro).
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