Verwirrspiel um Wärmeversorgung

Mietervertreter Alfons Nitze aus Eidelstedt-Nord vor einer Kellertür im Haus Dallbregen 82, hinter der sich einer der Gasbrenner von E.ON Hanse befindet. Das Unternehmen behauptete bisher stets, dass die Saga/GWG-Häuser am Hörgensweg, Dallbregen und Rebenacker über Fernwärme versorgt würden. (Foto: pr)

Fernwärme-Streit in Eidelstedt-Nord: Kommunalpolitiker und Mieter verlangen Aufklärung – Saga/GWG mauert weiter

von R. Schwarz, Eidelstedt - Der Streit um die Energieversorgung der Mieter in den Saga/GWG-Wohnungen in Eidelstedt-Nord wird immer verwirrender. Jetzt haben engagierte Mieter herausgefunden, dass ihre Wohnungen nicht über Fernwärmeleitungen versorgt werden, sondern über Gasbrenner vor Ort, die vermutlich sehr alt sind. Saga/GWG und E.on sprechen jedoch gebetsmühlenartig von „Fernwärme“.
Zum Verständnis: Seit mehreren Jahren klagen Mieter am Hörgensweg, an Dallbregen und Rebenacker über ungewöhnlich hohe Nachforderungen des Energieriesen E.on. Die Mieter wollen deshalb weg von dem Versorger, zumal im September der Rahmenvertrag mit der Saga/GWG ausläuft.
Ein Wechsel zu einem anderen, günstigeren Anbieter ist angeblich nicht möglich. So antwortete der Senat auf eine Anfrage des Bürgerschafts-
abgeordneten Olaf Ohlsen (CDU): „Ein Wechsel zu einem anderen Anbieter ist aufgrund der Situation im Fernwärmemarkt derzeit nicht möglich. Es ist kein Energieversorger am Markt, der dezentral im Netzbereich von E.on Hanse Wärme erzeugt.“
Diese Antwort empört auch den SPD-Bezirksabgeordneten Peter Schreiber: „Die Aussage, dass nur E.on die Wärmeversorgung gewährleisten kann, ist Unsinn.“ Er verweist auf die Gasbrenner in den Häusern der Betroffenen.
Direkte Fragen an die Saga/GWG stoßen ins Leere. Auf die Frage des Wochenblatts, ob die Mieter auf ewig an E.on gebunden seien, ging Saga/GWG-Sprecher Michael Ahrens gar nicht erst ein. Stattdessen weicht er auf ein Nebenthema aus: Ab 1. Ok-
tober 2013 rechne Saga/GWG und nicht mehr E.on die Heizkosten mit den Mietern ab. E.on räumte immerhin ein, dass „die Wärme mittels Erdgas-Niedertemperaturkesseln erzeugt wird.“ Diese gehörten dem Unternehmen.
Ohlsen nimmt derweil Stadtentwicklungssenatorin Jutta Blankau (SPD) ins Visier, die auch Aufsichtsratsvor-
sitzende der Saga/GWG ist: „Frau Blankau soll vernünftige Konditionen mit E.on aushandeln, den Mietern reinen Wein einschenken und sagen, wohin die Reise geht.“

Der Kommentar von Carsten Vitt:
Was schlummert da im Keller der Saga-Häuser in Eidelstedt-Nord? Nur eine betagte Heizanlage, die so viel verbraucht, dass die Saga-Mieter seit Jahren über Gebühr geschröpft werden? Oder gibt es eine Absprache mit dem Vermieter, die dem angestammten Energieversorger ein hübsches Plus auf dem Konto beschert?
Saga und E.on mauscheln offenbar. Informationen gibt es nur scheibchenweise, und nur dann, wenn sich Mietervertreter und Lokalpolitiker dahinterklemmen. Die Fakten: E.on stellt Mietern seit Jahren deftige Heizkosten in Rechnung. Das Unternehmen erzeugt vor Ort Wärme mit Gasbrennern. Saga und der Senat sagen übereinstimmend, dass nur E.on die Wärme für die Häuser liefern kann. Komisch: Gas kann auf dem freien Markt doch mittlerweile fast jedes Unternehmen liefern, womöglich günstiger als E.on.
Kritische Fragen werden abgebügelt, fadenscheinige Argumente angeführt. Das sieht nach einem Energie-Kartell aus. Wer ein Stück vom Kuchen ergattert hat, will weiter davon naschen. Der Vermieter tut so, als ließe sich daran nichts ändern. Das stinkt, im Keller müsste mal ordentlich gelüftet werden.
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