„U-Bahn-Versprechen muss eingelöst werden“

Für die Grünen in der Bürgerschaft: Filiz Demirel.
 
Ein Kunstwerk als Erinnerung an große Versprechen: Im Rahmen des Jubiläumsjahrs „Der Born wird 50“ haben die Organisatoren des Quartiersjubiläums die Hamburger Künstlergruppe „Baltic Raw Org“ eingeladen, im Osdorfer Born ein Kunstprojekt zu schaffen. Das Plakat ist in Design und Farben an die Gestaltung der Plakate und Werbeautritte des HVV angelehnt: die Farbe Blau für die U-Bahn; Grün für die S-Bahn; Orange für die AKN Schnellbahn und Schwarz für die Regionalbahn. Foto: Frieder Bachteler

Die Pläne für die U5 in den Hamburger Westen sollen 2018 konkreter werden – ein Interview mit Filiz Demirel, grüne Bürgerschaftsabgeordnete aus Osdorf

Von Carsten Vitt. 2030, 2040 – niemals? Die Osdorfer und Luruper warten darauf, dass die vor gut 40 Jahren versprochene Schienenanbindung für den Hamburger Westen bald gebaut wird. Das Elbe Wochenblatt sprach mit Filiz Demirel, Bürgerschaftsabgeordnete der Grünen aus Osdorf.

Elbe Wochenblatt: Die SPD-Fraktion hat sich den U- und S-Bahn-Ausbau wieder einmal auf die Fahnen geschrieben – was muss da für die „abgehängten Stadtteile“ im Hamburger Westen dringend passieren?
Filiz Demirel: Es ist sehr wichtig, dass die Stadtteile eine gute Anbindung an das Schienennetz, gute Radwege, gute Fußwege und immissionsarme oder immissionsfreie Mobilität auf allen Ebenen haben. Parallel dazu brauchen wir Maßnahmen, die den Autoverkehr aus den Nachbarstädten Schenefeld oder Pinneberg verringern. Die Schienenanbindung nach Osdorf und Lurup ist eine lange Geschichte, und diese ist mit Enttäuschungen verbunden. Das macht die Situation noch emotionaler für Menschen vor Ort. Als Osdorferin bin ich selbst von dieser Verkehrslage betroffen und kann das gut nachvollziehen.

EW: Die U5 kommt vermutlich erst in 20 Jahren im Osdorfer Born an, können die Grünen ihren SPD-Koalitionspartner im Rathaus nicht beschleunigen?
Demirel: Ich kann und möchte mich dieser Vermutung nicht anschließen. Der Verkehrsausschuss der Bürgerschaft hat sich auf zwei Varianten verständigt. Dieser Beschluss des Ausschusses wurde auch in der Bürgerschaft bestätigt. Demnach sollen die U-Bahn-Nordtrasse und die S-Bahn-Südtrasse als mögliche Varianten geprüft werden. Es gab eine europaweite Ausschreibung, diese ist abgeschlossen, und die beiden Varianten werden derzeit geprüft. Wir erwarten die Ergebnisse im zweiten Quartal 2018. Dann sollte es etwas zügiger gehen.

EW: Nach bisherigem Stand spricht vieles für die nördliche U5-Trasse über Stellingen und Lurup in den Osdorfer Born – ist das die beste Lösung?

Demirel: Nein. Die beste Lösung wäre die Südtrasse, die auch von Menschen in Osdorf und Lurup sowie von den Fraktionen in der Bezirksversammlung Altona favorisiert wird. Die OsdorferInnen und LuruperInnen haben keine Lust, mit der Nordtrasse ins Nirvana zu fahren oder eine halbe Weltreise zu machen, um überhaupt in Altona anzukommen beziehungsweise in die Innenstadt zu fahren. Darüber hinaus erweist sich der Stadtteil Bahrenfeld momentan und künftig als „Standort der Wissenschaft“. Dieser Ort braucht eindeutig die Südtrasse.

EW: Welche Vorteile sehen Sie in dieser Trasse von Diebsteich über Bahrenfeld, Lurup in den Osdorfer Born?
Demirel: Für die S32-Südtrasse spricht das enorme Entwick-lungspotenzial im Gebiet Bahrenfeld und Lurup: Die Erweiterung des DESY-Campus, der europäische Röntgenlaser XFEL, der Umzug des Uni-Fachbereichs Physik nach Bahrenfeld, die Verlagerung des Fernbahnhofs Altona nach Diebsteich, neue Wohngebiete auf dem Gelände der Trabrennbahn und auf dem A7-Deckel sowie der Ausbau der Schulen.
Des Weiteren gehört Lurup zu den Stadtteilen, die eine sehr hohe Anwohnerdichte haben. Daher brauchen wir hier eine passgenaue Lösung: Das wäre die S-Bahn-Südtrasse, die all diese Komponenten berücksichtigt und vor allem den täglichen Weg der Menschen aus Osdorf und Lurup nach Altona erleichtern kann. Das wäre auch ein großer Schritt zur Reduzierung des Autoverkehrs in Richtung Innenstadt.

EW: Was sagen Sie Bornern, die seit fast 50 Jahren auf eine versprochene Schienenanbindung warten und immer noch keine Zusage darauf haben?
Demirel: Ich wohne in Osdorf, und es ist für mich nicht nur ein Herzensthema, sondern praktisch auch eine eigene Angelegenheit. Wir erwarten die Prüfergebnisse für 2018. Über diese Ergebnisse werden wir vor Ort berichten und die BornerInnen und LuruperInnen an den konkreten Planungen beteiligen. Ich bin sicher, dass wir bald konkreter werden, wann wir mit dem Bau starten können. Ich bin nun nicht seit 50 Jahren dabei, aber dieses Versprechen muss endlich eingelöst werden.
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