Stellingen: Kirche feiert Jubiläum

Sie sind dabei: Familie Buttler freut sich auf das Jubiläumsfest. Foto: pr

Seit 125 Jahren im Stadtteil: Fest und Aktionen am Sonntag

Carsten Vitt, Stellingen
Das Dorf Stellingen hatte zuerst eine Feuerwache (1883), dann einen Sportverein (1888), später einen Tierpark (1907) und zum Schluss ein Rathaus (1912).Die Kirchengemeinde legte 1893 zuerst einen Friedhof an und baute erst 15 Jahre später eine eigene Kirche (1908). Die Gemeinde schaffte also zunächst Platz für die Toten, bevor es einen repräsentativen Raum für die Lebenden, für Taufen, Konfirmationen und Hochzeiten gab. Kann man machen, geschadet hat es offenbar nicht. Viel wichtiger war damals der Wunsch nach Eigenständigkeit: Vor 1892 gehörten Stellingens evangelische Christen zur Niendorfer Gemeinde. Das wachsende Dorf wollte aber endlich etwas Eigenes.
Am kommenden Wochenende feiern Pastoren, Mitarbeiter, Mitglieder und Förderer der Kirchengemeinde mit den Stellingern den Schritt in die Eigenständigkeit vor 125 Jahren (siehe Seite 3).
Während der erste Pastor Petersen seine Arbeit in einem Pastorat mit Betsaal verrichtete, haben die drei Pastoren heute zwei Kirchen zur Verfügung. Die Stellinger Kirche an der Molkenbuhrstraße und der benachbarte Friedhof sind das Herzstück der Gemeinde. Die Kreuzkirche am Wördemanns Weg kam als Zweitbau 1966 hinzu.
Für 118.000 Mark wurde das erste Gotteshaus gebaut, größtenteils von ortsansässigen Handwerkern. Tierparkgründer Carl Hagenbeck stiftete den Altar. Während der alliierten Luftangriffe am 24. und 25. Juli 1943 wurde die Kirche zerstört. Einen Neubau weihten die Stellinger 1953 ein.
Stellingen hat sich in den vergangenen gut 150 Jahren vom bäuerlich geprägten Vorort zum Hamburger Stadtteil gewandelt, den fast jeder kennt. Dank Hagenbeck, dank Autobahnabfahrt oder dank HSV – dessen Stadion übrigens in Bahrenfeld liegt. Der Bauboom hinterlässt Spuren: Große Neubauquartiere entstehen statt Einfamilienhauszeilen. Die Kirche bildet eine der wenigen Größen, die bleibt. Und sie nimmt diese Rolle an. „Die Kirchengemeinde möchte den Menschen im Stadtteil Heimat in der Großstadt sein und Begleitung für alle Zeiten des Lebens bieten“, sagt Pastor René Goele.
Wie auch immer sich der Stadtteil durch den Bauboom verändern wird: Die Kirche hat einen sicheren Standpunkt. Allein schon wegen ihrer Grundstücke. Gemeinsam mit Hagenbecks Erben gehört die Gemeinde zu den größten Stellinger Grundbesitzern.


Bauen ist auch bei der Kirche angesagt: Das alte Gemeindehaus wurde abgerissen und durch ein Wohnhaus ersetzt. Im Herbst beginnt der Bau des neuen Gemeindehauses neben der Kirche. Die Kreuzkirche wird derzeit renoviert.Viel Geld und Mühe stecken die Stellinger in das wichtigste Musikinstrument ihrer Kirche: Schon seit vorigem Jahr läuft eine Spendenkampagne für eine neue Orgel. Diese Woche wird das alte Instrument, das schlecht klingt und nicht mehr repariert werden kann, abgebaut und nach Polen verfrachtet. Es dient dann als Ersatzteillager.
Die neue Orgel kostet 500.000 Euro, gut 300.000 Euro sind bisher zusammengekommen. Das Fest soll weitere Einnahmen bringen.
Zur Feier – dann ohne Orgel – hat sich das Pfarrteam etwas Besonderes ausgedacht: Gesina Bräunig, René Goele und Gabriele Voigt wetten, dass zum Gottesdienst am Sonntag, 27. August (10 Uhr), 125 Menschen mit Instrumenten kommen und „Nun steht in Laub und Blüte“ spielen oder singen. Klappt das nicht, werden die drei an einem Sonnabend vor Supermärkten 125 selbstgebackene Muffins an die Stellinger verteilen.
Um 11.30 Uhr beginnt das Sommerfest rund um die Kirche, mit Tombola, Kindervergnügen, Photobox und einem Blick von oben per Hubsteiger. Die Gemeinde lädt Besucher zu einem gemeinsamen „bunten“ Brunch ein: Jeder bringt Tisch und Stühle mit und steuert ein paar Speisen zu der großen Stadtteiltafel bei.
Während des Fests ist die Molkenbuhrstraße gesperrt, Schluss ist gegen 16.30 Uhr.


❱ Jubiläum der KircheStellingen, Molkenbuhrstraße / Ecke Johann-Wenth-Straße
Sonntag, 27. August, ab 10 Uhr Festgottesdienst, ab 11.30 Uhr Sommerfest

❱❱ www.kirche-stellingen.de

In Zahlen

8.000 Grabstätten gibt es auf dem Stellinger Friedhof, der seit 1893 besteht

3.514 Mitglieder hat die Kirchengemeinde Stellingen

1908 wurde die Stellinger Kirche eingeweiht

14 Mitarbeiter beschäftigt der Friedhof

3 Pastoren gehören zur Gemeinde
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