Schreckliches Ende einer Klassenreise

Bad Schandau - ein idyllischer Flecken in der sächsischen Schweiz. Im Stadtrat sitzt die NPD mit einem Vertreter. (Foto: pr/ pixelio/Marco Barnebeck)

Goethe Gymnasium: 15-Jähriger in sächsischer Jugendherberge verprügelt und schwer verletzt Waren die Täter Neonazis?

- Christiane Handke, Lurup - Ein 15-jähriger Schüler des Goethe Gymnasiums ist in einer sächsischen Jugendherberge so schwer zusammengeschlagen worden, dass er Frakturen des Kiefers und der Augenhöhle erlitt.
Das war geschehen: 87 Luruper Zehntklässler waren vom 2. bis zum 7. September auf Klassenfahrt in Bad Schandau. In der Nacht vor der Rückreise nach Hamburg büxten einige der Schüler aus der Jugendherberge aus und machten sich trotz Verbots auf zu einem Dorffest. Als sie auf betrunkene und aggressive junge Männer trafen, flüchteten sie zurück in ihre Unterkunft. Drei Verfolger drangen hinter den Schülern in die Jugendherberge ein. Das war möglich, weil die Schüler beim Verlassen des Hauses die Panikverriegelung geöffnet hatten.
Der 15-Jährige, der anschließend so schwer verletzt wurde, wurde völlig schuldlos zum Opfer. Er war gar nicht mit beim Dorffest gewesen, hatte geschlafen, war vom Lärm aufgewacht und zur Toilette gegangen. Dort wurde er von den drei Eindringlingen überfallen und brutal ins Gesicht geschlagen, vermutlich wegen seines asiatischen Aussehens. Währenddessen hinderten die Lehrer weitere Schläger daran, die Jugendherberge zu stürmen. Die Polizei nahm später neun Personen fest.
Egon Tegge, Schulleiter des Goethe Gymnasiums in Lurup: „Die örtliche Polizei ging zuerst nicht von einem rechtsradikalen Hintergrund aus, hat diese Frage aber zur Prüfung an das Innenministerium abgegeben.“ Gestern trafen Ermittler aus Sachsen in Hamburg ein, um mit den in den Vorfall verwickelten Schülern zu sprechen.
Das Wochenblatt hat mit dem Fraktionsvorsitzenden der im Stadtrat Bad Schandau neben der CDU am stärksten vertretenen Gruppe, der „Wählervereinigung Tourismus“, gesprochen. Jürgen Kopprasch nennt die Berichterstattung „an den Haaren herbeigezogen“ und streitet jeden politischen Hintergrund ab. Er fügt hinzu: „Klar haben wir die NPD im Stadtrat, aber die haben nur ne große Klappe und nichts dahinter“. Zum Thema Neonazis wolle er sich nicht äußern, aber er könne sich nicht vorstellen, dass die sich in „hier zusammenrotten und Hamburger Jugendliche jagen.“
Ganz anders sieht das die Luruperin Dr. Cornelia M., Mutter von vier Kindern mit afrikanischem Vater: „Wenn an der Schule meiner Kinder eine Klassenfahrt in den Osten geplant würde, würde ich das sofort thematisieren. Auf gar keinen Fall würde ich mein Einverständnis dazu geben, im schlimmsten Fall meinen Sohn oder meine Tochter nicht mitfahren lassen.“
Dazu Schulleiter Tegge: „Sind wir in Deutschland schon so weit, dass wir nicht mehr in den Osten fahren dürfen? Was war vor einem Jahr in Berlin am Alex? Auch nicht mehr hinfahren....? Und was folgt aus den ganzen Übergriffen hier im Westen?“
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