Scholz stoppt Schulbau

Die neue Schule für den Osdorfer Born gilt als ein großes Hoffnungszeichen. Der Bau steht nun auf der Kippe. grafik: pr

Neubau der Geschwister-Scholl-Stadtteilschule
verzögert sich um mindestens zwei Jahre

Carsten Vitt, Osdorfer Born
Alles auf Stopp: Der seit Langem erwartete Neubau für die Geschwister-Scholl-Stadtteilschule am Böttcherkamp ist offenbar auf unbestimmte Zeit verschoben worden. Nach Informationen des Elbe Wochenblatts fehlt das Geld für den 36-Millionen-Euro-Bau, während der Bau der Luruper Stadtteilschule für 30 Millionen wie geplant läuft.
„Jegliche Verzögerung des Schulneubaus der Geschwister-Scholl-Stadtteilschule ruft eine unerträgliche Konkurrenzsituation zur Luruper Schule hervor“, warnt die Borner Runde. In einem Brief an Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) fordert der Stadtteilbeirat, dass an dem bisherigen Zeitplan festgehalten wird: Baubeginn 2017 – Fertigstellung 2019.

Planung sorgte für Aufbruchsstimmung

Ursprünglich hatte Schulsenator Ties Rabe versprochen, dass ab Mai mit dem Bau begonnen werde. Als nichts passierte, sagte die Schulbehörde dem Elbe Wochenblatt im Juli, dass „Verzögerungen bei anspruchsvollen Bauvorhaben durchaus üblich seien“. Nun sickerte durch, dass Senatschef Olaf Scholz seinen Schulsenator Rabe mit dem Baustopp aus heiterem Himmel im Regen stehen lässt. 2014 kündigte Rabe mit großen Worten an: „Mit diesem Neubau möchten wir ein Zeichen setzen. Wir wollen im Stadtteil Aufstiegschancen durch gute Bildung ermöglichen und zugleich eine Aufbruchstimmung erzeugen.“ Nun geht es wieder ums Geld. Der geplante Bau mit ungewöhnlichen Grundrissen, einer neuen Sporthalle und einem neuen Haus der Jugend ist für den Osdorfer Born mehr als ein Schulgebäude, er ist ein großes Hoffnungszeichen. Seit 2012 haben Lehrer, Schüler und Eltern gemeinsam mit Partnern aus dem Stadtteil an ihrer idealen Schule geplant. Der von einer Stiftung geförderte Prozess hat die Stimmung im Osdorfer Born deutlich verbessert: Waren die Anmeldezahlen in den Vorjahren eher gering, so startete der neue fünfte Jahrgang gerade mit vier Klassen ins neue Schuljahr. Insgesamt hat die Neubauplanung die Identifikation der Schüler und Eltern mit der Schule gestärkt.
Diese Fortschritte stehen nun auf der Kippe – ausgerechnet in dem Jahr, in dem der Osdorfer Born seinen 50. Geburtstag feiert und in der Stadt mehr als Ort der Chancen als der Probleme wahrgenommen werden sollte. Bitter daran: Der Senat will vor allem Bildung in schwierigen Gebieten wie der Hochhaussiedlung Osdorfer Born und Teilen des angrenzenden Lurups fördern. Und nun: Stopp für einen wichtigen Neubau.
Schon jetzt dürfte der geplante Termin der Fertigstellung 2019 nicht mehr zu halten sein. Nun ist die Rede davon, dass der Neubau erst 2021 fertig wird – also etwa zwei Jahre später als geplant.



Borner Runde
In der Borner Runde wollen die Aktiven Antworten, warum der Neubau nun gestoppt wurde. Am Dienstag, 12. September, werden Altonas Bezirksamtsleiterin Liane Melzer, Landesschulrat Thorsten Altenburg-Hack sowie ein Vertreter von Schulbau Hamburg erwartet. Das Treffen beginnt um 19 Uhr in der Aula der Geschwister-Scholl-Stadtteilschule, Böttcherkamp 181.

Scholz verspielt Vertrauen

Ein Kommentar von Carsten Vitt

Bürgermeister Olaf Scholz zog vorige Woche an der Seite von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz durch die Republik. Dessen Versprechen: Zwölf Milliarden Euro sollen über eine „nationale Bildungsallianz“ in die Schulen der Länder fließen. Wahlkampfgetöse, das offenbar vor der Haustür nichts mehr wert ist: In Hamburg hat Scholz’ Regierung gerade ein großes Schulbauprojekt auf die lange Bank geschoben. In einem Stadtteil, in dem viele Schüler aus schwierigen Milieus sich durchbeißen müssen, wird ein überfälliger Neubau gestoppt.Ein fatales Signal: Das Hochhausquartier feiert dieses Jahr 50. Geburtstag und kämpft seit jeher gegen ein schlechtes Image. Die Bewohner warten seit mehr als 40 Jahren auf einen U-Bahn-Anschluss, den eine SPD-Regierung versprochen, dann aber wieder gestrichen hat. Und nun wird offenbar der Nachbarstadtteil Lurup gegen den Osdorfer Born ausgespielt: In beiden Quartieren sind Schulneubauten für jeweils mehr als 30 Millionen Euro geplant. In Lurup wird gebaut, in Osdorf nicht.
Die Botschaft lautet: Osdorf zuletzt – wieder einmal. Der SPD-Bürgermeister macht damit viel kaputt. Eine positive Stimmung im Stadtteil. Die Chancen Jugendlicher, in einem guten Umfeld zu lernen. Schließlich: Vertrauen in die Politik.
Da muss sich dann niemand wundern über Desinteresse und Skepsis gegenüber Parteien – am allerwenigsten die SPD.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.