"Schluss mit Käfighaltung für Lehrer"

Egon Tegge leitet seit 2002 das Goethe-Gymnasium, am heutigen Mittwoch wird er verabschiedet. (Foto: pr)

Klare Worte zum Abschied: Drei Fragen an Schulleiter Egon Tegge

Am Luruper Goethe-Gymnasium hat sich in den vergangenen Jahren eine Menge verändert. Das Elbe Wochenblatt sprach mit Schulleiter Egon Tegge, der nach 13 Jahren in Lurup nun verabschiedet wird.

Elbe Wochenblatt: Das Goethe-Gymnasium gehörte zu den ersten Gymnasien in Hamburg, die verpflichtende Ganztagsschulen wurden - was hat dieser Schritt gebracht?

Egon Tegge: Zunächst wurde die Akzeptanz der Schule im Stadtteil deutlich erhöht, die Steigerung von 500 Schülern im Jahr 2002 auf heute circa 840 zeigt bereits die große Beliebtheit der Schule unter den Bürgern des Stadtteils. Inhaltlich können wir mit einem sehr breiten Angebot aus einer Mischung von Fachunterricht, Förderangeboten für Lernschwierigkeiten, aber auch für Begabte, den ganzen Schultag gestalten – die Vielseitigkeit dieses Angebots lässt sich nur mit einem gebundenen System finanzieren und umsetzen.

EW: Unter Ihrer Leitung bekamen Lehrer eigene Arbeitsplätze und Büros in der Schule - wie hat sich das ausgewirkt?

Tegge: Lehrkräfte können jetzt mindestens ebenso lange in der Schule bleiben wie die Schüler und bei Freistunden oder nach dem Unterricht in ihren Büros sinnvoll arbeiten – die Käfighaltung im Lehrerzimmer gehört am Goethe-Gymnasium der Vergangenheit an. Dieses bundesweit erstmalig umgesetzte Modell hat eine deutlich verbesserte Teamarbeit zur Folge, Lehrer fliehen mangels eines eigenen Schreibtisches nicht mehr nach der letzten Stunde, sondern bleiben so lange in der Schule, bis die Arbeit für den nächsten Tag getan ist. Die psychologisch wichtige Trennung von beruflicher und privater Sphäre kann am Goethe-Gymnasium erfolgreich gelebt werden. Das haben auch zwei wissenschaftliche Untersuchungen an unserer Schule belegt.

EW: Schule bis in den späten Nachmittag, Abitur in acht Jahren, steigende Anforderungen - sind Schüler heute überfordert? 

Tegge: Die Masse der Schüler ist nicht überfordert, vorausgesetzt die Eltern wählen entsprechend der Fähigkeiten der Kinder den passenden Bildungsgang – acht oder neun Jahre bis zum Abitur sollte man sich gut überlegen. Eine Überforderung kann entstehen, wenn Eltern entgegen der Beratung der Fachleute aus der Grundschule wegen des gesellschaftlich höheren Ansehens des Gymnasiums die Kinder trotzdem bei uns anmelden – hohe Umschulungsquoten nach der sechsten Klasse sind auch am Goethe-Gymnasium trotz eines ausgefeilten Förderprogramms leider die Folge.
Bei sehr vielen unserer Schüler ist allerdings erfreulicherweise zu beobachten, dass sie das breite Angebot an Kursen und Wahlmöglichkeiten nutzen und dabei häufig mehr belegen, als sie müssten – ein solches Verhalten spricht nicht gerade für Überforderung.

Verabschiedung
Egon Tegge (66) leitet seit 2002 das Goethe Gymnasium. Tegge setzte Akzente mit ungewöhnlichen Schritten – zum Beispiel mit Lehrerbüros mit eigenen Arbeitsplätzen direkt in der Schule. Am Mittwoch (1. Juli) wird der Direktor verabschiedet. Tegge wird als Berater und Mediator im Schulbereich weiter aktiv bleiben.
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