Prozess verloren: Tausende Euro an E.on

Saga/GWG-Mieter Alfons Nitze kämpft seit Jahren gegen überhöhte Heizkostenvorauszahlungen. (Foto: rs)

Streit um Heizkosten am Hörgensweg: Wie ein Mieter kräftig nachzahlen muss

Reinhard Schwarz, Eidelstedt
Im Dauerstreit um Heizkosten in der Hochhaussiedlung Hörgensweg/Dallbregen gibt es Neues: Offenbar senkte Vermieter Saga/GWG nun die monatlichen Vorauszahlungen – wie schon vor langer Zeit angekündigt.
Mietervertreter Alfons Nitze lag Monate im Clinch mit dem Wohnungsunternehmen. Für seine 30-Quadratmeter-Wohnung zahlte er bisher 114 Euro an Heizkosten, nunmehr sank der Beitrag auf 79 Euro, schildert Nitze dem Wochenblatt. Zum Vergleich: Laut Deutschem Mieterbund zahlten Bezieher von Fernwärme im Schnitt rund 33 Euro im Monat. Nitze muss also vergleichsweise mehr als das Doppelte für seine Heizkosten im Voraus zahlen.
„Wie es die Saga/GWG ihren Mietern gegenüber angekündigt hatte, hat unser Unternehmen die Vorauszahlungen auf Basis der individuellen Abrechnungsergebnisse angepasst“, erklärte Unternehmenssprecher Michael Ahrens auf Anfrage. „Die Höhe der Anpassung richtet sich nach dem individuellen Abrechnungsergebnis und der bisher geleisteten Vorauszahlung.“ Jeder Mieter habe unterschiedliche Vorauszahlungen zu leisten, entsprechend dem bisher errechnetem Verbrauch, so Ahrens: „Hieraus ergaben sich unterschiedliche Anpassungsbedarfe bei der Festlegung der einzelnen Vorauszahlung.“
Doch für Nitze sind gesunkene Abschläge derzeit ein schwacher Trost: E.on Hanse verklagte ihn auf Zahlung von ursprünglich 5.300 Euro wegen ausstehender Zahlungen für Heizkosten – der Energiekonzern gewann vor Gericht. Nitze hatte über Monate seine Vorauszahlungen an E.on gemindert, teilweise überhaupt nichts mehr überwiesen. Offenbar ein Fehler, sagen Fachleute.
In einem „Vergleich“ verurteilte ihn das zuständige Gericht nun zur Zahlung von 4.500 Euro, abzustottern in monatlichen Raten von 60 Euro. Für Frührentner Nitze (800 Euro Rente) eine erhebliche zusätzliche Belastung – und das über Jahre. E.on verzichtet im Gegenzug auf 800 Euro. „Zufrieden bin ich nicht, aber ich habe wohl auch keine Chance, dagegen anzugehen“, so Nitzes resigniertes Resümee.

Das sagt der Mieterverein

Wilfried Lehmpfuhl, Rechtsberater des Mietervereins zu Hamburg, kritisiert die „undurchschaubare Preispolitik“ von E.on. Saga-Mieter beschwerten sich jahrelang über ungewöhnlich hohe Nachzahlungsforderungen von E.on. In einem Fall wurden bis zu 1.600 Euro verlangt – bei monatlichen Vorauszahlungen bis zu 285 Euro. Warum kein Wechsel zu einem anderen Wärmelieferanten? Laut Saga sei das nicht möglich. 2013 lief zwar ein alter Vertrag mit E.on aus, die Saga blieb jedoch bei dem bisherigen Versorger.
Im Falle der GWG-Siedlung Hörgensweg/Dallbregen handele es sich laut Lehmpfuhl „um eine ganz normale Zentralheizung, die missbräuchlicherweise abgerechnet wird wie Fernwärme.“ Darüber hi-naus seien auch die nunmehr von der Saga/GWG erstellten Heizrechnungen nicht transparent, so Lehmpfuhl: Es fehlten beispielsweise Angaben über die Kosten für die Erzeugung der Wärme.
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