Prozess: Die Bluttat in der Stadtbäckerei

Das Landgericht Hamburg verhandelt derzeit gegen Mustafa A. (50) – das Urteil wird im Frühjahr nächsten Jahres erwartet. (Foto: cvs)

Mustafa A. (50) muss sich wegen versuchten Mordes vor Gericht verantworten

Ch. v. Savigny, Eidelstedt

Erst übergoss er sie mit kochendem Wasser und dann stach er mit dem Messer auf sie ein: Vor dem Hamburger Landgericht wird derzeit gegen Mustafa A. (50) verhandelt. Die Anklage lautet auf versuchten Mord. Im April dieses Jahres soll A. seine von ihm getrennt lebende Ehefrau in der „Stadtbäckerei“ im Eidelstedt Center aufgesucht und – wohl aus Eifersucht –
lebensgefährlich verletzt haben. Das Opfer überlebte nur knapp – und hatte dabei Glück, dass sich ganz in der Nähe zufälligerweise gerade ein Rettungswagen befand. Mit einem Urteil wird frühestens im März 2017 gerechnet.
Der Verhandlungstag beginnt mit einer Überraschung: Denn das Opfer, Leyla G. (43), eine elegante Frau mit kurzen, dunklen Haaren, erklärt, von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen zu wollen. Auch der Richter ist im ersten
Moment verwundert. „Ist das wirklich richtig, Frau G.?“, fragt er ungläubig. Das Gericht hatte die Verhandlung extra neu terminiert, um Leyla G. zu Wort kommen zu lassen.
Am Tattag hatte Mustafa A. morgens gegen 8.30 Uhr die Bäckerei betreten, in der seine Ex-Frau als Filialleiterin arbeitete. Beide hatten sich erst kürzlich getrennt, es gibt ein gemeinsames und ein mit in die Ehe gebrachtes Kind. Ohne Vorwarnung, so das Gericht, habe der Angeklagte dann einen Wasserkocher über ihr ausgeleert und mit einem Messer mindestens 18 Mal auf sie eingestochen. Trotz der schweren Verletzungen – einer der Stiche hatte ihre Lunge getroffen – konnte sich G. noch auf die Straße schleppen, wo sie schließlich zusammenbrach.

Der Obsthändler von nebenan leistete erste Hilfe

Laut Gericht war der Laden zur Tatzeit bereits gut besucht. Ein benachbarter Obst- und
Gemüsehändler, der den Angeklagten gut kennt („Er hat mich am Morgen noch mit Handschlag begrüßt“), leistet erste Hilfe, andere halten die Eingangstür zu, um A. nicht entkommen zu lassen.
Obwohl sie keine Aussage machen will, erhebt Leyla G. an diesem Tag doch einmal die Stimme – in Richtung ihres Ex-Mannes, ein grauer, lebhafter Lockenkopf, der schräg hinter ihr sitzt. „Weißt du eigentlich, was du uns und den Kindern angetan hast?“, fragt sie unvermittelt in einer Verhandlungspause.
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