Polo: „Bodenständig – hart und dreckig“

Die hohe Kunst des Polo-Sports: Beim Camp am Katerwohrd in der Osdorfer Feldmark lernt der Nachwuchs, wie man reitet und zugleich mit dem „Stick“, dem Poloschläger, den Ball aus Hartkunststoff ins Tor bugsiert. Foto: pr

Osdorfer Feldmark: Vier-Tage-Camp für Kinder und Jugendliche

Von Reinhard Schwarz. Osdorfer Feldmark nahe der Hochhaussiedlung Osdorfer Born: Kaum jemand ahnt, dass hier Mädchen und Jungen einer Sportart frönen, die als elitär verschrien ist: dem Polo. 26 Kinder und Jugendliche trainieren hier beim 8. FIP Polo Jugend Camp 2014 bei der Win Polo-Schule von Trainer Thomas Winter, der als bester deutscher Spieler gilt.
Das Klischee vom „Elite-Sport“, den auch die britischen Royals ausüben, hört Thomas Winter höchst ungern: „Es ist eigentlich ein sehr bodenständiger Sport: hart und dreckig.“ Hinterher seien die Spieler reif für eine Komplettdusche, die staubigen Klamotten müssen erstmal alle in die Waschmaschine. Der Reiz liege aber in der Arbeit mit dem Pferd: „Das Pferd ist keine Maschine, man muss viel trainieren. Es ist schon sehr viel Nervenkitzel dabei, auch der Geschwindigkeitsrausch spielt eine Rolle.“
Auch dem teilnehmenden Nachwuchs werde nichts geschenkt, so der Polo-Profi: „Aber wir trainieren kindgerecht, entsprechend ihrem Leistungsstand.“ Die jugendlichen Polo-Spieler müssen auch selbst mit anpacken: „Dazu gehört das Vorbereiten der Tiere, das Putzen, das Warmreiten.“ Gelehrt wird Taktik, Spielaufbau, richtiges Satteln, Pferdepflege und vieles mehr. Die Pferde stammen entweder aus dem eigenen Club oder sie werden von anderen Polospielern gestellt. Die Kosten für das Vier-Tage-Camp betragen 400 Euro pro Teilnehmer, einschließlich Vollverpflegung und Unterbringung.
Da die Polo-Szene in Deutschland sehr klein ist, kommen die Mädchen und Jungen über Mund-zu-Mund-Propaganda nicht nur aus der Bundesrepublik. Kira (16) aus der Schweiz gefällt vor allem, dass Polo ein Mannschaftssport ist: „Ich reite schon seit meinem zweiten Lebensjahr, habe auf Mini-Shetland-Ponys gelernt, und liebe die Pferde. Polo ist kein Einzelkämpfersport, sondern man kämpft in der Gruppe, man ist ein Team.“
Polo-Info: Reitsport aus Asien:
Die britischen Kolonialherren übernahmen den aus Persien, Kaschmir und Afghanistan stammenden Sport, bei dem zwei berittene Mannschaften à vier Reiter darum kämpfen, vom Sattel ihrer Pferde aus mit dem hölzernen Poloschläger („stick“) eine Kugel aus Hartkunststoff in das drei Meter hohe und 7,20 Meter breite Tor zu schießen.
Ein Sport, der viel Erfahrung und Geschicklichkeit vor allem im Umgang mit den Pferden verlangt. Ein Spielabschnitt („Chucka“) dauert in der Regel sieben Minuten.
Polo-Sport ist jedoch für Normalverdiener nicht grade billig. Ein Reitpferd im bes-ten Alter kostet zwischen 3.000 und 8.000 Euro. Hinzu kommen Kosten für Tierarzt, Unterkunft und Verpflegung.
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