Notrufe, die keiner hört

Aufgeschmissen: Marianne Bohm (67) mit ihrem tragbaren Notrufknopf (im Vordergrund), der zurzeit nicht funktioniert. (Foto: cvs)

Ohne Vorwarnung: O2 schaltet Kundin Festnetz ab – Rollstuhlfahrerin muss ohne Notfallknopf auskommen

Christopher von Savigny, Lurup

Das kleine Kästchen mit dem roten Knopf ist für Marianne Bohm überlebenswichtig: Seit einem Schlaganfall im Jahr 2009 sitzt die 67-Jährige im Rollstuhl und ist im Notfall auf ärztliche Hilfe angewiesen. „Wenn ich mal hinfalle, komme ich alleine nicht wieder hoch“, sagt Bohm. Doch seit einigen Wochen funktioniert der lebensrettende Knopf nicht mehr: Ihr Telefonanbieter O2 hatte ihr kurzerhand und ohne Vorwarnung das Festnetz abgestellt. „Ich kann nachts nicht mehr schlafen, weil ich Sorge habe, es könnte etwas passieren“, berichtet Bohm.

Anbieter machte Fehler bei Vertragsumstellung

Zur Vorgeschichte: Anfang 2014 stirbt der Ehemann von Marianne Bohm. In der Folgezeit bemüht sie sich, in einen günstigeren Telefontarif zu wechseln, da sie nur noch ihren Festnetzanschluss benötigt – an dem auch der Hausnotruf hängt. „Internet und Mobilfunk von meinem Mann brauchte ich nicht mehr“, sagt die Luruperin. „Und 80 Euro monatlich nur für das Festnetz waren mir einfach zu viel.“ Ihr Anbieter, der O2-Mutterkonzern Telefónica, schlägt einen 30 Euro günstigeren Basistarif vor. Allerdings klappt die Umstellung nicht – stattdessen kommt ab dem 6. September gar kein Ton mehr aus der Leitung.
Von Seiten der Telefónica heißt es, man habe einen Fehler gemacht. „Aufgrund eines Bearbeitungsfehlers im System konnte der Vertrag nicht wie gewünscht umgeschrieben werden“, sagt Pressesprecherin Julia Hoffstaedter. Auf weitere Einzelheiten will das Unternehmen aus Datenschutzgründen nicht eingehen. Allerdings habe man sich bei der Kundin entschuldigt.

Neues Handy – Mehrkosten für Router

Als Ersatz für den fehlenden Notfallknopf hat sich Bohm jetzt doch noch ein Handy angeschafft, obwohl sie den Umgang damit erst mühsam erlernen musste. Und sie hat einen neuen Anbieter beauftragt: In diesen Tagen soll der Anschluss endlich freigeschaltet werden. Ärgerlich: Der neue Router kostete nochmal 56 Euro, außerdem muss sie ihre bisherige Telefonnummer aufgeben.
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