„Nie ohne Beistand ins Jobcenter!“

Inge Hannemann war Arbeitsvermittlerin in Altona und prangert das System Hartz IV an. (Foto: pr)

Hartz IV-Kritikerin Inge Hannemann diskutiert in Eidelstedt

- Carsten Vitt, Eidelstedt - Als Hartz IV-Rebellin ist sie bundesweit bekannt geworden: Inge Hannemann war Arbeitsvermittlerin in einem Jobcenter in Altona und prangerte öffentlich Missstände an. Am Sonntag diskutiert Hannemann in Eidelstedt – das Wochenblatt stellte ihr vorab ein paar Fragen zum Thema.

Elbe Wochenblatt: Was ist Ihre Botschaft an Menschen, die Hartz IV beziehen?
Inge Hannemann: Nie ohne Beistand ins Jobcenter! Jeder hat das Recht einen Widerspruch zu schreiben und zu klagen. Auch als Hartz IV-Empfänger behält man seine Menschenrechte – und vor allem Würde!
EW: Ist das System Hartz IV zynisch oder sind es die Menschen, die als Arbeitsvermittler die Regeln auslegen?
Hannemann: Sowohl als auch. Das Hartz IV-System hat politisch als primäres Ziel den Ausbau des Niedriglohnsektors im Auge gehabt. Das ist erreicht worden. Innerhalb der Hartz-
Gesetze kann gesagt werden: Existenz gegen Gehorchen.
Die Mitarbeiter stehen im Konflikt. Auf der einen Seite die zum Teil unklaren Spielräume, auf der anderen Seite die Vorgaben, Vermittlungsquoten zu erfüllen. Der Arbeitsmarkt gibt jedoch nicht her, was erfüllt werden muss. Wir haben bei weitem nicht genügend Arbeitsplätze – vor allem nicht für Menschen ab 50 Jahren. Selbst empathisch arbeitende Mitarbeiter stoßen damit ab einem gewissen Zeitpunkt an ihre Grenzen. Aber: Niemals darf der Schreibtisch im Jobcenter als Machtposition gesehen werden. Die Jobcenter sind ein Dienstleistungsbetrieb – und das wird gerne mal vergessen.
EW: Gehört Hartz IV abgeschafft?
Hannemann: Hartz IV in der jetzigen Form stellt ein unmenschliches System dar. Es widerspricht der Menschenwürde nach dem Grundgesetz sowie der freien Berufs- und Ausbildungswahl, da jede Tätigkeit zumutbar ist. Sanktionen, also Geldkürzungen, bringen die Menschen in Existenznot. Daher gehört Hartz IV reformiert und an die Menschenwürde angepasst. Ist das nicht möglich, muss ein neues Sys-tem geschaffen werden.

Diskussion: Inge Hannemann ist am Sonntag, 3. November, bei einer Veranstaltung der Linken zu Gast. Beginn ist um 11 Uhr im Saal 99 im Bürgerhaus Eidelstedt, Alte Elbgaustraße 12.
 auf anderen WebseitenSenden
3 Kommentare
6
KATHARINA DROBBNER aus Altona | 29.10.2013 | 22:50  
6
Karl Miksch aus Rotherbaum | 30.10.2013 | 11:13  
82
B. Kühne aus St. Pauli | 04.11.2013 | 12:31  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.