Neubauten zu hässlich für Lurup?

Große Baugrube mitten in Lurup. Von den geplanten Wohnhäusern an der Luruper Hauptstraße rückt die Neue Lübecker Norddeutsche Baugenossenschaft keine Skizzen mehr heraus, nachdem Hamburgs Oberbaudirektor deren Architektur kritisiert hat. Zurzeit versuchen beide Seiten, zu einem Kompromiss zu kommen. (Foto: pr)

Oberbaudirektor verhindert schnelle Wohnbebauung an der Luruper Hauptstraße

von Christiane Handke, Lurup - Baugrube, nichts als Baugrube. Das sieht, wer über die Kreuzung Luruper Hauptstraße und Elbgaustraße Richtung Lurup-Center fährt. Die gesamte Straßenecke bis zur Einmündung Lüttkamp ist eine riesige Baustelle. 224 Wohnungen zu erschwinglichen Mieten will die Neue Lübecker Norddeutsche Baugenossenschaft hier errichten. Dieser Tage wurde die Baugenehmigung erwartet. Jetzt der Schock: Das ganze Verfahren ist mit quietschenden Bremsen zu einem Stopp gekommen.
Was ist passiert? Gefährlicher Müll im Untergrund? Sind die Bauherren pleite? Bombenfund? Bedrohte Tierart? Alles falsch. Die Antwort: Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter verlangt grundlegende Änderungen. Ihm missfällt die Optik zur Straßenseite hin.
Die Bauherren fielen aus allen Wolken, als der Oberbaudirektor sich einmischte. Vertreter der Lübecker Neuen schlugen Kompromisse vor, Jörn Walter lehnte ab. Angeblich habe er immer neue Forderungen gestellt, die die preiswerten Wohnungen weiter verteuert hätten.
Doch der Oberbaudirektor hat ein Argument: Sein Auftrag ist, darauf zu achten, dass größere Bauvorhaben in Hamburg sich städtebaulich einfügen. Deswegen müssen die Bezirke sie ihm melden. Das habe Altona Monate zu spät getan. Also: Das Baudezernat Altona ist Schuld an allen Verzögerungen, die jetzt eintreten. Walter: „Auch Lurup hat einen Anspruch auf architektonische Qualität beim Wohnungsbau. Deshalb muss das Bauverhoben noch einmal überdacht werden.“
Die völlig vergrätzten Lübecker überlegen angeblich, ganz aus dem Bauvorhaben auszusteigen.
Die Bezirksversammlung Altona griff ein. Einstimmig beschlossen die Fraktionen, den Bezirksamtsleiter zwingend anzuweisen, die Baugenehmigung sofort zu erteilen. Marcel Sonntag, Vorstandsvorsitzender der Baugenossenschaft: „Ich bin erfreut, dass die Politik im Bezirk Farbe bekennt.“
Wie gehts weiter? Die Anweisung der Bezirksversammlung kann nur noch ein Senatsbeschluss aushebeln. Gibt es also keine Einigung im Vorwege, wie jetzt zwischen Walter und der Baugenossenschaft angestrebt, wird weitergereicht an die Senatskommission. Kommentar eines Insiders: „Und wenn da jemand Vernünftiges sitzt – zum Beispiel Olaf Scholz – dann sagt der: Wollen wir uns ein halbes Jahr mit der Architektur abkas-pern, oder wollen wir schnell viele Wohnungen?“
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