Nachtflugverbot verlängern?

Rot-grüne Regierungslinie: Keine weiteren Einschränkungen des Flughafens. Foto: pr

Lärm und Nachtflüge: Flughafen erhöht Gebühren

Carsten Vitt, Hamburg-West

Appelle und Vereinbarungen haben wohl nicht so viel gebracht wie erhofft: Im vergangenen Jahr sind ungefähr genau so viele Flugzeuge spätabends in Hamburg gelandet wie in den Jahren zuvor. Obwohl die wichtigsten Airlines und der Flughafen vereinbart hatten, die reguläre Betriebszeit bis spätestens 23 Uhr einzuhalten. Die Bürgerinitiative gegen Fluglärm (BAW) spricht daher von einem Totalversagen dieser Absprachen. Mehr noch: Bedenklich sei, dass es 2016 deutlich mehr späte Starts nach 23 Uhr gab, vor allem von Billigfliegern.
Hamburg müht sich weiter ab, die für die Bevölkerung besonders belastenden späten Flüge einzuschränken. Etwa ein Viertel der Starts und Landungen wird über die Landebahn 23 Richtung Südwesten abgewickelt. Diese Flieger donnern dann über Stellingen, Eidelstedt, Lurup, Osdorf, Flottbek und Blankenese hinweg.
Der bisher sanfte Druck aus der Politik wird offenbar etwas fester: Ab Mitte Juni gelten höhere Zuschläge für besonders laute und besonders späte Flieger. Die nach Lärmklassen gestaffelten Gebühren werden verdoppelt. Das macht für Flieger zwischen 5,50 Euro und 3680 Euro aus. Zudem sind Spätzuschläge (nach 23 Uhr) von 350 bis 550 Prozent fällig. Nach Mitternacht kostet eine Landung das Siebenfache des üblichen Betrags.
Eine Beispielrechnung für einen gängigen Flieger: Landung und Start eines Airbus A 320 kos-ten ab Mitte Juni 2.999 statt 2.823 Euro – also sechs Prozent mehr. Eine Landung um 23.30 Uhr und ein Start nach 6 Uhr am Folgetag kosten nach den neuen Tarifen 4.531 statt 3.579 Euro – also 27 Prozent mehr.
Von einer längeren Nachtpause, wie sie Initiativen fordern, ist politisch vorerst nicht auszugehen: Rot-Grün will den Flughafen nicht weiter einschränken, um dessen Attraktivität für Airlines und Passagiere nicht zu mindern.

Nachtflugverbot verlängern?

Hamburg-West. Höhere Gebühren und viel Vertrauen in die Airlines: Fluglärm-Initiativen, dem Umweltverband BUND und Grünen in den Bezirken geht das nicht weit genug. Der BUND sammelt Unterschriften für eine Volkspetition, um das Nachtflugverbot auf die Zeit zwischen 22 Uhr abends und sechs Uhr morgens auszuweiten – also um eine Stunde zu verlängern.
Grüne: „Betriebszeiten nicht mehr zeitgemäß“
Die Eimsbütteler Grünen unterstützen diese Forderung und wollen nun ebenfalls Unterschriften für die Petition sammeln: „Die Betriebszeitenregelung des innerstädtisch gelegenen Hamburger Flughafens ‚Helmut Schmidt‘ ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt Dietmar Kuhlmann, stellvertretender Vorsitzender der Grünen-Bezirksfraktion und Mitglied in der Fluglärmschutzkommission. Überall seien Umweltstandards zum Schutz der Menschen gestiegen – die Regelungen des Hamburger Flughafens stammten aber noch aus dem Jahr 1971. „Die bestehende Betriebszeit des Flughafens ‚Helmut Schmidt‘ von täglich 17 Stunden und die verspäteten Starts und Landungen zwischen 23 und 24 Uhr an über 75 Prozent der Tage stören die Nachtruhe von Zehntausenden von Hamburgern“, so Kuhlmann.
Eine Einschränkung der Betriebszeiten ist in der rot-grünen Regierungskoalition auf Landesebene offenbar nicht durchsetzbar. Aus der von dem Grünen Jens Kerstan geleiteten Umweltbehörde heißt es: „Eine generelle Überprüfung der Nachtflugregelung steht derzeit nicht auf der Agenda.“
Einschränkungen sind auch mit der SPD nicht zu machen: „Wir wollen mehr und besseren Lärmschutz, ohne die notwendige Entwicklung unseres Flughafens einzuschränken“, so SPD-Fraktionschef Andreas Dressel. CV
 auf anderen WebseitenSenden
1 Kommentar
13
Peter Mayer aus Stellingen | 11.05.2017 | 22:33  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.