Mehr Geld für Integration

Mit Fußballtraining für Geflüchtete fing es im Herbst 2015 an – heute bietet der SV Eidelstedt noch viel mehr für Flüchtlinge an. Foto: pr
 
Entdeckte Sport und Integrationsarbeit als Berufsfeld: Yumiko Haneda. Foto: pr

Hamburg unterstützt Projekte für Flüchtlinge vor Ort –
zwei Beispiele aus Eidelstedt und dem Osdorfer Born

Carsten Vitt,
Eidelstedt/Osdorfer Born

Der SV Eidelstedt (SVE) und der SV Lurup organisieren seit Herbst 2015 Training, Kurse und Kontaktangebote für Flüchtlinge. Als Tausende Menschen neu in Hamburg ankamen, sprangen die Sportvereine ein – wie hunderte andere Ehrenamtliche auch. In der Unterkunft in der Luruper Hauptstraße helfen viele weitere Freiwillige Geflüchteten dabei, in Hamburg Fuß zu fassen (das Elbe Wochenblatt berichtete).
Aber die Initiativen und selbst Vereine mit einem größeren Stamm an Personal und Mitgliedern stoßen an Grenzen: Auf Dauer können sie ihre Aufgaben nur stemmen, wenn es Hilfe von der Stadt gibt. Der SVE und das Bürgerhaus Bornheide im Osdorfer Born bekommen nun Unterstützung für ihre Projekte – eine Übersicht.

Was macht der SV Eidelstedt für Neu-Hamburger?
Im Verein bieten viele Ehren- und Hauptamtliche Kurse, Kontaktmöglichkeiten und Treffpunkte für Flüchtlinge an. Vom Fußball über Familienkegeln bis zum Mama-Kind-Turnen. Der SVE hat einen „Flüchtlingsbotschafter“, der in Gruppen mit Flüchtlingen geht, mitmacht und übersetzt. Zudem hat der Verein grade eine junge Syrerin als Erzieherin eingestellt, berichtet Geschäftsführer Martin Hildebrandt.
Seit Anfang des Jahres beschäftigt der SVE eine Flüchtlingskoordinatorin, die die Zusammenarbeit der Aktiven fördern und das Angebot erweitern soll. Yumiko Haneda (siehe Porträt unten) baut Kontakte auf, bringt die einzelnen Gruppen zusammen, berät und hilft bei Problemen. Die halbe Stelle der Koordinatorin wird von der Stadt für zwei Jahre finanziert. Dafür und für den Ausbau von Angeboten bekommt der Verein bis zu 100.000 Euro.

Wie unterstützt das Bürgerhaus Bornheide Geflüchtete?
Im Stadtteiltreff im Osdorfer Born an der Bornheide kümmern sich Ehrenamtliche sowie Mitarbeiter der zahlreichen Beratungsstellen um Sorgen und Probleme von Flüchtlingen – das reicht von Sprachkursen über Kulturangebote bis hin zur Familien- oder Asylberatung. Vor allem für Menschen aus der Unterkunft am Kroonhorst ist das Bürgerhaus erste Anlaufstelle. Neu ist zum Beispiel ein englischsprachiger Kinoabend, der einmal im Monat angeboten wird. Das Bürgerhaus bekommt von der Stadt gut 36.000 Euro, um einen Mitarbeiter für die Flüchtlingsarbeit einzustellen.


Sie bringt Menschen mit Sport zusammen

Porträt: Yumiko Haneda, neue Koordinatorin für Flüchtlingsarbeit beim SV Eidelstedt

Sport ist ein Türöffner. Plumper Satz. Stimmt aber. Bei Yumiko Haneda gleich doppelt. Denn für sie hat Sport die Tür zu einem neuen Beruf geöffnet. Und mit Angeboten beim SV Eidelstedt (SVE), um die sie sich kümmert, öffnen Trainer den Teilnehmern Türen – zu neuen Fähigkeiten, zu Selbstbewusstsein, zu Stolz.
Yumiko Haneda ist die neue Koordinatorin für Flüchtlingsangebote beim SVE. In dem 7.500 Mitglieder starken Verein kümmert sie sich um die bestehenden Kurse und Treffpunkte, die speziell oder auch für Flüchtlinge geschaffen worden sind. Sie hält Kontakt zu Trainern und Ehrenamtlichen, zu Flüchtlingsunterkünften und Behörden und bringt diese zusammen. Außerdem soll sie das Angebot des SVE erweitern. Neu sind zum Beispiel Schwimmkurse für Kinder, die der SVE zusammen mit der Stadtteilschule Stellingen organisiert.

Neu geplant: Radfahren für Frauen

In ein paar Monaten sollen sich Frauen auf Fahrräder schwingen und Balance, Verkehrsregeln und Sicherheit lernen. Radfahren für mehr Unabhängigkeit. Auch so eine Binsenweisheit, die aber stimmt.
Haneda kommt ursprünglich aus dem PR-Bereich, sie arbeitete in der Hamburg-Zentrale des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Lokstedt, als im Spätsommer 2015 fast jede helfende Hand gebraucht wurde, um Flüchtlinge in Hamburg unterzubringen. Sie war mit dabei, als in Windeseile Unterkünfte geschaffen werden mussten, zum Beispiel am Behrmannplatz oder am Albert-Einstein-Ring in Bahrenfeld.

SVE wird auch in den neuen Wohnquartieren aktiv

Beim DRK koordinierte die Lokstedterin den Einsatz Ehrenamtlicher und übernahm später die stellvertretende Leitung einer Unterkunft. Das Engagement von Vereinen fiel ihr besonders positiv auf: Weil es so einfach und wirkungsvoll war, mit einem Fußballtraining oder einem anderen Sportkurs etwas für die Menschen zu tun.
Nach gut einem Jahr beim DRK wechselte Haneda zum Hamburger Sportbund und kümmerte sich dort um das Projekt „Willkommen im Sport“. So kam auch der Kontakt zum SVE zustande, für den sie seit Mitte Januar im Einsatz ist. „Sport verbindet und baut Barrieren sowie Stress ab – wichtige Faktoren, um das Ankommen der Geflüchteten zu erleichtern“, sagt die 37-Jährige.
Der SVE trägt mit seinem Engagement in Eidelstedt, Schnelsen und Stellingen seinen Teil dazu bei. Das soll auch bei den neu geplanten Wohnquartieren für Flüchtlinge am Hörgensweg und Duvenacker so sein. Ungewiss ist noch, wie das der Stadtteil an sich findet, denn ein Teil der Bürger lehnt die Quartiere nach wie vor ab.
Klar ist: Auch da werden Türen geöffnet werden müssen. Mit sportlichem Einsatz. Und recht sicher mit Yumiko Haneda.

Weitere Projekte

Die rot-grüne Koalition unterstützt mit 2,5 Millionen Euro hamburgweit 35 Projekte – hier eine Auswahl für die Bezirke Eimsbüttel und Altona:
– Die Flüchtlingshilfe Harvestehude bekommt für Sprachangebote bis zu 30.000 Euro.
– Die Initiative „Herzliches Lokstedt“ erhält bis zu 47.000 Euro.
– Für ein Begegnungs- und Koordinierungszentrum im Bezirk Eimsbüttel (ehemalige Anna-Warburg-Schule, Niendorf) werden 198.000 Euro bereitgestellt.
– 87.000 Euro gibt es für „Interkulturelle Mediatoren – ein Projekt für geflüchtete Männer“.
– Mit 96.000 Euro kann die Werkstatt Drei in Ottensen einen Koordinator für internationalen Bildungsarbeit einstellen.
E Sportangebote für geflüchtete Kinder bietet die Stadtteilschule Bahrenfeld mit dem Jugend- und Freizeitzentrum Bahrenfeld an. Förderung: 8.500 Euro.
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