Machtkampf um Eidelstedter SPD-Vorsitz

Jahrelang schritten sie Seit’ an Seit’, bei der Wahl zum Eidelstedter SPD-Chefposten haben sich ihre Wege getrennt: Die Bürgerschaftsabgeordnete Martina Koeppen und Herausforderer Peter Schreiber. Foto: da
Hamburg: Eidelstedter Bürgerhaus |

Peter Schreiber tritt überraschend an und besiegt Martina Koeppen

Eigentlich hatte der Vorstand der Eidelstedter SPD vor zwei Monaten einstimmig vorgeschlagen: Die SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Martina Koeppen sollte Vorsitzende des Distriktes Eidelstedt werden. Doch zur Empörung vieler Genossen kandidierte vergangene Woche überraschend Vorstandsmitglied Peter Schreiber gegen Martina Koeppen. Er gewann mit 46 zu 38 Stimmen – auch er hatte zuvor Koeppen als Vorsitzende nominiert.
Peter Schreiber konnte sich wohl auch durchsetzen, weil er viele ältere Mitglieder mobilisiert hatte. Und: Der 68-Jährige hatte gleich mehreren Genossen unmittelbar vor der SPD-Distriktsversammlung per Liste erklärt, welche Kandidaten sie für den Vorstand wählen sollten. „Das war generalstabsmäßig vorbereitet“, kritisiert Uwe Koßel, der nicht wieder für den Vorstand kandidiert hatte. Peter Schreiber kontert: Er sei von Mitgliedern gebeten worden, ihnen die Namen seiner Kandidaten zu nennen. Schreiber: „Ich kann nicht mit einem Vorstand zusammenarbeiten, der gegen mich opponiert.“
Zu seinem Team gehört auch die SPD-Bezirksabgeordnete Gerlind Böwer, sie wurde Vize-Parteichefin. Was ihren Mann Thomas Böwer, der sich gegen Amtsinhaber Milan Pein um den Kreisvorsitz Eimsbüttel bewirbt, auch freuen dürfte: Gattin Gerlind wurde auch zur Delegierten für die Wahl zum SPD-Kreischef gewählt – und das, obwohl sie erst kurz zuvor von der SPD Lokstedt nach Eidelstedt gewechselt war. „Sie lebt aber seit acht Jahren mit ihrer Familie in Eidelstedt“, verteidigt SPD-Kassierer Wolfgang Düvel ihre Wahl. Koßel sieht das anders: Peter Schreiber habe Thomas Böwer zu Delegiertenstimmen verholfen – und für sich selbst verfolge Schreiber das Ziel, „in die Bürgerschaft zu kommen“. Schreibers Kandidatur bezeichnen Koßel und Koeppen als „undemokratischen Akt“, da sie nicht angekündigt wurde. Koeppen: „Das war auch stillos.“
Der Gescholtene meint dagegen: „Das Vorgehen war legitim.“ Er wolle nicht in die Bürgerschaft, so Schreiber. Er verfolge das Ziel, „den Distrikt aus der Umklammerung der Gruppe um Danial Ilkhanipour (den früheren SPD-Bundestagskandidaten, die Red.) zu befreien“. Solch eine Umklammerung sieht Koeppen nicht: „Peter Schreiber hat selber die Macht in der SPD Eidelstedt übernommen.“

„Kandidatur wegen Streit um Mitgliedschaft“
Peter Schreiber nennt als entscheidenden Grund für seinen überraschenden Machtanspruch in der Eidelstedter SPD einen im März aufgeflammten Streit. Die Mehrheit des damaligen Distriktsvorstandes hatte es abgelehnt, Jonas Böwer (17), den Sohn des früheren SPD-Bürgerschaftsabgeordneten Thomas Böwer ­– der sich um den Eimsbütteler Kreisvorsitz bewirbt – in die SPD aufzunehmen. „Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht“, so Schreiber. „Es hatte geheißen, er kann noch einen Monat warten“ – also bis nach den Wahlen zum Vorstand im April. Martina Koeppen, damals Vize-Parteichefin, bestreitet solch eine Äußerung. „Es gab Unklarheiten mit dem Aufnahmeformular“, so Koeppen. Als die geklärt waren, wurde Jonas Böwer per „E-Mail-Umlaufverfahren“ in die Partei aufgenommen.
Tatsächlich bekam Jonas Böwer nur zwei Tage, nachdem der Antrag abgelehnt worden war, grünes Licht. Unmittelbar nach dem „Nein“ hatte Thomas Böwer allerdings SPD-Parteichef Olaf Scholz sowie Hamburger Medien über die Ablehnung informiert. Der Bürgermeister rief SPD-Kreischef Milan Pein an. Der kontaktierte daraufhin die damalige Distriktschefin Armita Kazemi: Der 17-Jährige wurde SPD-Mitglied. da
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