Machtkampf in der SPD

Thomas Böwer, der von 1997 bis 2011 für die SPD in der Bürgerschaft saß, will Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Eimsbüttel werden. Der Vater von fünf Kindern wohnt mit seiner Frau, der Bezirksabgeordneten Gerlind Böwer, seit 2004 in Eidelstedt. Politisch ist er weiterhin bei den Lokstedter Sozialdemokraten organisiert. Foto: da
 
Milan Pein ist seit Ende 2008 Vorsitzender des SPD-Kreisverbandes Eimsbüttel. Der Vater eines Sohnes wohnt mit Ehefrau Karen seit 2004 in Lokstedt, wo er auch seine politische Heimat gefunden hat. Milan Pein hatte zuvor im Eimsbütteler Kerngebiet gelebt und war im Distrikt Eimsbüttel-Nord aktiv. Foto: da

Thomas Böwer tritt gegen Eimsbüttels Kreischef Milan Pein an

R. Dan, Eidelstedt/Eimsbüttel
Thomas Böwer kennt die Situation: Er verblüfft die Genossen. So gehörte der damalige Bürgerschaftsabgeordnete 2007 zu den wenigen, die nicht für den Bau der Elbphilharmonie gestimmt hatten. Jetzt sorgt der Eidelstedter wieder für Furore: Überraschend hat Thomas Böwer erklärt, für den Kreisvorsitz der SPD Eimsbüttel zu kandidieren. Damit kommt es am 21. April zum Showdown – Milan Pein, seit gut drei Jahren Kreischef, will wieder antreten.
„Es geht nicht um eine Kandidatur gegen Milan“, betont Thomas Böwer. Der 51-Jährige kennt Peins Verdienste. So hat der Rechtsanwalt die Führung des Kreisverbandes übernommen, als dieser sich zerfleischte: Die Art der innerparteilichen Bundestagskandidatur von Danial Ilkhanipour gegen Niels Annen empörte die Parteilinke.
„Es ist gelungen, den Kreisverband aus den Schlagzeilen zu holen“, bilanziert der 38-jährige Pein. Zudem sei die SPD in Eimsbüttel „wieder verlässlich und bei Wahlen erfolgreich geworden“. Und welches Ergebnis erwartet der Lokstedter auf dem Kreisparteitag für sich? „Ich erhoffe ein gutes Ergebnis.“
Welche Erfolgsaussichten hat aber der Herausforderer? „Schau’n mer mal“, sagt Thomas Böwer, der einräumt: „In der Politik bin ich es gewohnt, zu verlieren.“ Seine größte Niederlage erlitt Böwer, der 2004 von Lokstedt nach Eidelstedt zog, vor einem Jahr: Ihm fehlten rund 2.000 Stimmen für den Wiedereinzug ins Parlament.
„Es waren tolle 14 Jahre“, sagt Böwer über seine Parlamentszeit. Tatsächlich bilanzierte das Abendblatt: „Engagiert und abgewählt.“ So hat Böwer unter anderem an beiden Kita-Kompromissen mitgewirkt und dazu beigetragen, den Skandal um die HSH-Nordbank aufzudecken.
Trotz derzeit guter Lage für die SPD sagt der freiberufliche Projektentwickler: „Die Bedeutung der Partei muss gestärkt werden.“ So wolle er „den Bürgern zuhören und sie, wie auch die Parteimitglieder, über alle wichtigen Fragen, die sie betreffen, mitentscheiden lassen.“ Auch Pein will „die Bürgerbeteiligung im Bezirk voranzubringen“ Beispiel: „Bürger sollten bei Bauprojekten frühzeitig beteiligt werden.“ Böwer fordert gar: „Wir müssen neue Wege gehen.“

Reaktionen – und Center-Erweiterung
Die Reaktionen auf Thomas Böwers Kandidatur sind innerhalb der SPD gespalten. „Ich habe es zur Kenntnis genommen“, sagt Dr. Carola Ensslen, Vorsitzende des Distriktes Eimsbüttel Nord. Sie fügt hinzu: Zwei Kandidaturen seien „ein natürlicher Prozess“. Weitaus positiver äußert sich Stellingens Distriktschef Khalil Bawar: „Ich finde es super, wenn wir nicht nur einen Kandidaten haben.“ Auch Eidelstedts
Distriktsvorsitzende Armita Kazemi freut sich auf das Duo, beide seien „geschätzte Mitglieder“. Kazemi und Bawar nennen keine Vorliebe für einen der Anwärter – sie wollen deren Vorstellung in den Ortsverbänden abwarten. Ensslen will sich „öffentlich nicht äußern“.
Derweil könnte Thomas Böwer in der Frage der Erweiterung des
Eidelstedt Centers Ungemach erwarten. Schließlich gilt: „Wir sind für die Erweiterung des Eidelstedt Centers“, erläutert Milan Pein die Position der SPD. Thomas Böwer sieht das anders. Er hat das Bürgerbegehren „Grünes Zentrum Eidelstedt“ unterschrieben: „Bisher hat mich die geplante Erweiterung nicht überzeugt – aber ich lass’ mich gerne überzeugen“, sagt der Eidelstedter. Andererseits befürwortet er – wie auch Milan Pein – ein moderiertes Verfahren für einen Kompromiss. Grundsätzlich betont Thomas Böwer: „Ich bin bekannt dafür, meinen eigenen Kopf zu haben. Dabei wird es bleiben.“ da
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