Lurups Schulen brauchen mehr!

Bekommen viele Luruper Grundschüler nicht die Förderung, die sie brauchen? Das werfen Eltern und Lehrer dreier Grundschulen in Lurup der Schulbehörde vor. (Foto: Thommy Weiss/pixelio)

Zu wenig Geld, Förderung und Personal an Luruper Grundschulen, die von der Schulbehörde „aufgewertet“ wurden

- Christiane Handke, Lurup - Lurup ist ein Stadtteil mit sozialen Problemen. Nirgendwo im Bezirk Altona gibt es mehr junge Menschen ohne Schulabschluss, viele Kinder sind schon im Vorschulalter auffällig. Kinder von Ausländern, die hier wohnen, haben oft große Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Um so befremdlicher, dass die Schulbehörde zwei Luruper Grundschulen so „aufgewertet“ hat, dass sie in diesem Schuljahr weniger Geld und weniger Personal haben als im letzten. Eine dritte Schule, die dringend angewiesen wäre auf mehr Hilfen, bekommt sie nicht.
Die Einstufung nach dem KESS-Index (siehe Infokasten) hat in Lurup negative Auswirkungen. Marion Lindner, Schulleiterin der Schule Franzosenkoppel, zählt auf: „Deutliche Reduzierung unserer Sprachförderstunden; wir müssen mit größeren Gruppen arbeiten, da der Förderbedarf unserer Schülerinnen und Schüler sich nicht verringert hat.“ Sie fasst zusammen: „Wir haben große Sorge, unsere Kinder nicht so vorbereiten zu können, wie wir es uns für einen erfolgreichen Übergang an die weiterführende Schule wünschen.“
Stephanie Fitschen vom Elternrat der Fridtjof Nansen Schule berichtet, dass dort die Sprachförderung auf fast die Hälfte der Stunden zurückgefahren wurde, die verringerte sonderpädagische Förderung mache eine gezielte Förderung unmöglich, begabte Schüler würden nicht entsprechend unterstützt, weil die schwächeren die Aufmerksamkeit der Lehrer binden. Die Lehrer seien unzumutbar stark belastet. Fitschen: „Die Grenze ist mehr als erreicht.“
Jana Ehm von der Grundschule Luruper Hauptstraße erklärt, die soziale Belastung der Schule sei so viel stärker geworden, dass man dringend weitere Förderstunden brauche: „Unser Klientel hat sich verändert – aber unsere Einstufung ist gleich geblieben.“
Die Schulbehörde scheint sich um eine Stellungnahme zu diesem Thema zu drücken. Nachdem das Wochenblatt mehrmals zur Situation der Luruper Schulen nachfragte, gab es endlich – nach vier Wochen – eine Antwort:  Pressesprecher Peter Albrecht könne spezielle Anfragen zu einzelnen Schulen im Moment leider nicht beantworten. Er sei überlastet.

Der KESS-Index, kurz erklärt
KESS ist die Abkürzung für „Kompetenzen und Einstellungen von Schülerinnen und Schülern“. Nach dem KESS-Index werden die Hamburger Schulen jeweils einer von sechs Stufen zugeteilt. Die Skala reicht von ganz unten: KESS 1 – sozial stark benachteiligt und bildungsfern – bis ganz oben: KESS 6 - sozial privilegiert und bildungsnah.
Die Grundschule Franzosenkoppel und die Fridtjof Nansen Schule wurden von Stufe 2 auf Stufe 3 hochgestuft. Die Schule Luruper Hauptstraße hatte erwartet, von 3 auf 2 herabgestuft zu werden – vergeblich. Warum ist das schlecht für die Schüler? Je tiefer eine Schule eingestuft wird, desto mehr Hilfen bekommt sie von der Stadt: mehr Pädagogen und Erzieher, mehr Förderstunden, mehr Sprachförderung, kleinere Klassen. Je höher eine Schule eingestuft wird, auf desto mehr Hilfen muss sie verzichten.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.