Laut, lauter, Hamburg

Streitpunkt Flugverkehr: Bürger im Hamburger Westen klagen über „unerträglichen Lärm“. Foto: panthermedia

Bürgerinitiativen fordern Einschränkungen des Flughafens – Behörde lehnt ab

Carsten Vitt, Hamburg-West

Menschen im Hamburger Westen werden weiter vom Lärm des Flughafens geplagt. In einer Fülle von Leserbriefen klagten Bürger unter anderem über Starts und Landungen in der Nacht und forderten Verbesserungen. Das Elbe Wochenblatt hat die Beschwerden zusammengefasst und zuständige Behörden gefragt.

Klage 1: In den Flugschneisen ist es weiterhin unerträglich laut – von Othmarschen über Osdorf und Lurup bis nach Eidelstedt und Stellingen. Es verbessere sich nichts.
Verkehrsbehörde: Der Flughafen kümmere sich um Lärmschutz. Aufschläge für späte Starts und Landungen seien Anreize für Airlines, leisere Flugzeuge einzusetzen. In den vergangenen zehn Jahren habe die Geräuschbelastung kaum zugenommen, obwohl die Passagierzahlen um 30 Prozent gestiegen seien. Die Flüge über den Hamburger Westen hätten sogar abgenommen. Laut Verkehrsbehörde würden sich aber wenige Bürger gezielt häufiger beschweren.

Klage 2: Hamburg handhabt das Nachtflugverbot lax und ändert die Flugrouten nicht, um zum Beispiel Flieger über Gewerbegebiete zu leiten, wo sie weniger Bürger stören.
Verkehrsbehörde: Der Flughafen hat eine reguläre Betriebserlaubnis von 6 bis 23 Uhr – für verspätete Flüge eine Stunde länger. „Diese Betriebszeiten sind sinnvoll, angemessen und erforderlich, um den Verkehrsbedürfnissen der Metropolregion gerecht zu werden und gleichzeitig die Interessen der Anwohner zu schützen“, so Richard Lemloh, Sprecher der Verkehrsbehörde. Ausnahmen zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens würden „sehr restriktiv“ erteilt.
Flugrouten könne Hamburg nicht ändern, das sei Sache des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung. Es sei auch sehr schwierig, bestimmte Bereiche sauber zu umfliegen.

Klage 3: Allein im Juni gab es 157 verspätete Flüge nach 23 Uhr. Die vor Monaten vereinbarte Pünktlichkeitsoffensive sei eine Täuschung der Bürger, so die Initiative IFL.
Verkehrsbehörde: Diese Zahlen seien nicht aussagekräftig. Ursachen für die – zugegebenermaßen – deutlich häufigeren Verspätungen im Mai und Juni seien schlechtes Wetter und Streiks der Fluglotsen gewesen. Dennoch soll es weniger Flüge nach 23 Uhr geben. „Sollte die Zahl der Verspätungen nicht bald wieder merklich zurückgehen, müssen gemeinsam mit den Airlines Wege zur Umsetzung der Pünktlichkeitsoffensive und zur Reduzierung der Verspätungen gefunden werden“, sagt Hamburgs Fluglärmschutzbeauftragte Gudrun Pieroh-Joußen.


Zahlen

Der Initiative gegen Fluglärm (IFL) zufolge gab es im ersten Halbjahr 2016 gut 19.000 Beschwerden aus Hamburg und dem Umland. Für den Bezirk Altona wurden 992, für den Bezirk Eimsbüttel 414 gezählt. Zum Vergleich: Im Bezirk Nord gab es 6.691 Beschwerden.
Scharfe Kritik kommt von der Linken-Fraktion in der Bürgerschaft: „Der Expansionskurs des Flughafens geht auf Kosten der Menschen“, so der umweltpolitische Sprecher Stephan Jersch. „Die Vertröstungspolitik der rot-grünen Flughafenkoalition auf ein besseres, lärmärmeres Leben nach irgendwann erfolgten technischen Fortschritten ist nichts anderes als das Abfeuern von Nebelgranaten.“
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