Kommt bald das Aus für den Diesel?

Dicke Luft durch den Diesel: In Hamburg sind nicht viele Fahrverbote geplant, auch eine Umweltzone mit Verkehrsbeschränkungen soll es nicht geben. Foto: panthermedia

Maßnahmen zur Luftreinhaltung erschrecken Hamburger Dieselfahrer: Jetzt drohen Fahrverbote

Gaby Pöpleu, Hamburg-West
Auch in Hamburg wird es wohl Fahrverbote für alte Dieselautos geben. Viele Dieselfahrer sind verunsichert: Wo darf ich noch hinfahren? Wer im Hamburger Westen seinen alten Diesel weiter fahren möchte, hat vorerst nur wenige Einschränkungen zu befürchten: Tatsächlich sind nur in der Max-Brauer-Allee und der Stresemannstraße Fahrverbote zu erwarten.
Ob dadurch die Luft in Hamburg wirklich entscheidend sauberer wird, ist umstritten. Umweltverbände sind mit den aktuell geplanten Maßnahmen zur Luftreinhaltung unzufrieden. Malte Siegert vom Naturschutzbund Nabu Hamburg sieht vor allem die großen Schiffe als Dreckschleudern: „Schiffe sind die größte Stickoxidquelle in Hamburg.“ Der Luftreinhalteplan habe gezeigt, „dass Schiffe für 39 Prozent der Stickoxidemissionen in Hamburg verantwortlich sind, der Kfz-Verkehr für 29 Prozent“.
Senat überrascht vom großen Anteil der Schiffe
Das habe den Senat überrascht, sagte Umweltsenator Kerstan anlässlich der Veröffentlichung des Luftreihalteplanes Ende Juni. An der Palmaille und an der Großen Elbstraße „trägt der Hafen laut Modellrechnung zu rund 80 Prozent zur NO2-Belastung bei“, so Kerstan.
Auch beim Autohandel findet man die Schuldzuweisungen einseitig. Verkaufsberater Roman Sosin vom Autohändler Dello hat täglich mit Diesel-Fahrern zu tun, die ihr Auto im guten Glauben an dessen Sparsamkeit und Umweltverträglichkeit gekauft haben. Er sagt: „Wir dürfen die Diesel nicht pauschal verdammen. Denn Diesel sind viel langlebiger als Benziner und verbrauchen viel weniger Kraftstoff.“
So könne man über die Lebensdauer des Fahrzeuges viele Rohstoffe sparen, den Ausstoß des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid CO2 begrenzen, was wiederum gut für’s Klima sei. 
Ist das E-Auto die Lösung? Das lässt Sosin nur bedingt gelten, denn: „Bei der Akku-Produktion für ein E-Auto wird soviel CO2 produziert, wie ein Diesel auf 200.000 Kilometer ausstößt.“ Schließlich: Jeder neue Diesel sei auf jeden Fall besser als ein alter.
Also alte Diesel technisch nachrüsten und umweltfreundlich machen? Das scheint schwierig, denn: Für ältere Dieselmotoren gibt es aktuell keine praktikable Nachrüstmöglichkeit. Sosin: „So etwas erwarte ich auch nicht wirklich. Wer sollte in diese alten Motoren noch Entwicklungskosten stecken?“

Diesel in Hamburg
In Hamburg gab es am Stichtag 30. April 2017 laut Antwort des Hamburger Senats auf eine Anfrage der CDU 337.619 Dieselfahrzeuge. Davon erfüllen 238.564 nicht die Norm „Euro 6“ (PKW) oder „Euro VI“ (LKW), wären also von einem Fahrverbot betroffen. Darunter sind auch 698 Fahrzeuge der Polizei und des Senatsfuhrparks und 547 Fahrzeuge der Polizei. Das hat der Landesbetrieb Verkehr ermittelt. Wieviele davon LKW oder PKW sind, kann laut Senat nicht unterschieden werden. Die Zahl der Dieselfahrzeuge stieg seit 2014 bisher kontinuierlich an.
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