Kein Interesse am Schutz von Bäumen?

29 Bäume wurden nach Wochenblatt-Informationen am Furtweg abgeholzt. Angeblich legal. Hier sollen 108 Sozialwohnungen entstehen, weiterhin werden die beiden alten Grandsportplätze neu gebaut und mit Kunstrasen ausgestattet. (Foto: rs)

Eidelstedterin kritisiert Eimsbütteler Verwaltung: Keine Kontrolle bei Baumfällungen

Kahlschlag am Furtweg: Mindestens 29 Bäume wurden auf dem Sportplätzgelände abgeholzt. Sie mussten offensichtlich dem dort geplanten Bauvorhaben mit 108 Sozialwohnungen weichen. „Die Bäume standen gar nicht im Weg“, empört sich die Anwohnerin Marion Üdema, „warum wurden die weggehauen?“ Sie ärgert sich auch über die Informationspolitik der Behörden, die ihrer Meinung nach vollendete Tatsachen schaffen würden, um möglichen Protesten aus dem Weg zu gehen: „Es gibt keine Stelle, wo sich die Bürger informieren können, um Baumfällungen zu kontrollieren.“
Die Fotografin, die seit zwei Jahren am Furtweg wohnt und die baumreiche Gegend schätzt, hatte die Bauarbeiter nach ihrer Fällerlaubnis gefragt und sei daraufhin mit einem Schwall von Beleidigungen bedacht worden. Daraufhin habe sie die Polizei gerufen, die von den Bauarbeitern die Fällerlaubnis einforderten. „Die hatten sie aber nicht dabei“, schildert Marion Üdema.
Die Anwohnerin bemüht sich schon seit Monaten um Informationen über die zu fällenden Bäume und um den Schutz der verbliebenen Rotbuchen auf dem Grundstück. Erst auf ihre Initiative hin sei um zwei große Rotbuchen ein Holzzaun gezogen worden, um sie vor Baggern und anderem Gerät zu schützen. „An Baumschutz haben die offiziellen Stellen kein Interesse“, meint die Eidelstedterin.
„Das Thema der Baumfällungen kocht im Moment im Bezirk hoch“, bestätigt Bezirkspolitiker Philip Engler (Grüne), Mitglied im Regionalauschuss Stellingen/ Eidelstedt. „In den letzten Monaten scheint es eine Diskrepanz zwischen der Zahl der Fällungen und der Zahl der Nachpflanzungen zu geben.“ Heißt: Es werde zwar eifrig abgeholzt, aber weniger eifrig nachgepflanzt. Konkrete Zahlen gebe es aber nicht.

Kommunalpolitiker können hier nichts tun

Die Kommunalpolitik könne im Fall Furtweg nichts machen, erklärt Manuela Pagels (Die Linke): „Hier lief wohl alles nach Recht und Gesetz ab.“ Doch die Behörden müssten verstärkt kontrollieren, was vor Ort geschehe, mahnt Pagels an: „Aber die Verwaltungen haben dazu keine Kapazitäten mehr.“ Das sei eine Folge der verordneten Sparpolitik, so die Linken-Politikerin.
Eine Stellungnahme des Bezirksamts Eimsbüttel lag bis Redaktionsschluss nicht vor.

Zahlen

Werden Bäume in der Nachbarschaft gefällt, regen sich viele Anwohner auf. Meist wird im Winter und Frühjahr abgeholzt. Laut einer Statis-tik des Naturschutzbunds fielen in der zurückliegenden Saison 130 Bäume im Bezirk Eimsbüttel – 61 sollen nachgepflanzt werden.
Skepsis nähren auch Fälle wie neulich an der Bismarck-straße in Eimsbüttel: Dort holzten Arbeiter zehn Bäume ohne Genehmigung ab. Als ein Anwohner Polizei und Bezirksamt rief, war es schon zu spät.
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