Kahlschlag bei der Hamburger Arbeit – „ein Trauerspiel“

Sie arbeiten trotz einer ungewissen Zukunft – und teilweise drohender Arbeitslosigkeit – bei der Hamburger Arbeit weiterhin engagiert für beschäftigungslose Menschen: Die Anleiter Ines Cwielong, Peter Jalocha, Bereichsleiterin Brigitta Steen, Jochen Bachmann und Carmen Remus (v. l.). Foto: da
 
John Becker unterstützt als Ein-Euro-Jobber im Wichmannhaus Schüler bei Hausaufgaben oder hilft sozial Benachteiligten beim Schreiben von Bewerbungen oder der Internet-Recherche. „Hier werde ich gebraucht. Die Arbeit hier ist viel besser, als Zuhause nach dem Schreiben von Bewerbungen rumzusitzen“, so der gelernte Bürokaufmann. Foto: da
Hamburg: Hamburger Arbeit |

Bald keine Ein-Euro-Jobs mehr bei der traditionsreichen Beschäftigungsgesellschaft

rené dan, eidelstedt
Die Hamburger Arbeit (Hab), der traditionsreiche Beschäftigungsanbieter der Hansestadt, steht vor radikalen Einschnitten. Die Hab muss zum Jahresende auf sämtliche sogenannte Arbeitsgelegenheiten, die Hartz-IV-Empfänger qualifizieren, verzichten. „Von derzeit 180 Beschäftigten der Hab bleiben nach aktuellem Stand bis Anfang nächsten Jahres 42 übrig“, so Brigitta Steen, Bereichsleiterin für Arbeitsgelegenenheiten. Auch Eidelstedt, wo die Hab das Wichmannhaus betreibt, wird von diesem Kahlschlag nicht verschont.
Der Grund für den Kurswechsel bei der stadteigenen Hab: Seit der Einführung von Ein-Euro-Jobs „sind wir sind nicht mehr wettbewerbsfähig“, räumt Brigitta Steen ein. Noch sind rund 750 Hartz IV-Empfänger bei der Hab in Qualifizierungsprojekten.
„Alle Projekte der Hab werden bis zum 31. Dezember fortgesetzt“, sagt Brigitta Steen. Am Hörgensweg sind fünf hauptamtliche Mitarbeiter für 125 Ein-Euro-Kräfte zuständig. Ob die Eidelstedter Projekte im nächsten Jahr von einem anderem Träger fortgeführt werden, ist offen.
Die Hartz-IV-Empfänger unterstützen derzeit unter anderem sozial benachteiligte Menschen aus dem Stadtteil beim Schreiben von Briefen, Bewerbungen und bei der Recherche im Internet. Teilnehmer John Becker freut sich über seine Aufgabe: „Hier werde ich gebraucht.“ Wenn das Hab-Projekt eingestellt werde, „ist das schlecht für Ein-Euro-Jobber und für Menschen aus dem Stadtteil“.
Der Bürokaufmann wird von Carmen Remus angeleitet – auch der 38-Jährigen droht Arbeitslosigkeit. Bereichsleiterin Steen weiß gleichwohl ihr Engagement zu schätzen: „Die Anleiter machen trotz der schwierigen Lage eine wunderbare Arbeit.“ Doch nicht jeder hat diese Kraft. „Einige Kollegen hat die belastende Situation krank gemacht“, weiß Anleiter Peter Jalocha. Jochen Bachmann, Leiter eines Fahrradprojektes, ergänzt: „Viele Menschen sind depressiv.“
Die Verhandlungen über einen Sozialplan laufen noch zwischen der Hab-Geschäftsführung und der Sozialbehörde. Noch ist nicht klar, wer bei der Hab bleiben darf. Auch Anleiterin Ines Cwielong weiß, wie sehr die Hab von Teilnehmern geschätzt wird. Zum bevorstehenden Aus sagt sie: „Das ist ein Trauerspiel.“

Die Hab wird „sozialverträglich“ verkleinert
Der Aufsichtsrat der Hamburger Arbeit Beschäftigungsgesellschaft mbH (Hab) hat am 10. April die Eckpunkte für die Sanierung des städtischen Unternehmens beschlossen. „Vorgesehen ist, dass die Hab den Bereich Arbeitsgelegenheiten spätestens bis zum 31. Dezember 2012 einstellt und sich auf die Aufgabenbereiche „flankierende
Leistungen“ (der Sozialpädagogik, zum Beispiel bei Sucht; die Red.) und Schuldnerberatung konzentriert“, so Nicole Serocka, Sprecherin der zuständigen Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration. „Die Verkleinerung des Unternehmens erfolgt sozialverträglich“, so die Behörden-Sprecherin.
Seit April laufen die Verhandlungen zwischen Hab-Geschäftsführung und Betriebsrat über einen Sozialplan.  Wann ist klar, wer von der Hab bleiben kann und wer wohin gehen muss? Ist auch mit Entlassungen zu rechnen? Hierzu antwortet Nicole Serocka: „Die Fragen sind Gegenstand der derzeit laufenden Verhandlungen über den Interessenausgleich und über einen entsprechenden Sozialplan. Diese Fragen können deshalb derzeit noch nicht beantwortet werden.“
Die Ein-Euro-Kräfte wiederum sollen auf andere Träger verteilt werden, derzeit verhandelt darüber die Geschäftsführung.
Wer das Wichmannhaus künftig betreibt, ist ebenfalls unklar. Bislang hatten Hab und die Eigentümerin, die Saga/GWG, immer im Oktober entschieden, ob der Vertrag um ein Jahr verlängert wird. Die Saga/GWG müsse bis Oktober abwarten, so deren Sprecher Dr. Michael Ahrens. „Nach Nachmietern oder einer anderen Nutzung wird aktuell nicht gesucht“, so der Pressesprecher. DA
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