Janika, eine Soldatin mit Herz

Janika Papke ist Offizierin bei der Deutschen Bundeswehr und Betreuerin von todkranken Kindern beim Hamburger Tageshospiz KinderLeben

Morgens zieht sie ihre Uniform an und ist als Leutnant strenge Vorgesetzte von vielen Soldaten und eine von wenigen Frauen unter einer Heerschar Männer. Am Nachmittag zeigt sie in Jeans und Pullover ihre gefühlvolle, weibliche Seite und kümmert sich liebevoll um todkranke Kinder. „Das Ganze begann mit einem schlechten Traum, der mein Leben veränderte“ schildert die 23-jährige Janika Papke den Auslöser für ihre heutige Tätigkeit als Ehrenamtliche bei KinderLeben, dem ersten Tages-Kinderhospiz Deutschlands in Hamburg Eidelstedt. Die attraktive Blondine, die seit 4 Jahren als Soldatin tätig ist und sich auf weitere 13 Jahre bei der Bundeswehr verpflichtet hat, betreut in ihrer Freizeit Kinder, denen aufgrund von schweren Krankheiten nur ein sehr kurzes Leben vergönnt ist, und deren Geschwister. Vor zwei Jahren war „soziales Engagement“ für Janika noch kein Thema. Wie andere junge Frauen in ihrem Alter liebt sie neben ihrem harten und außergewöhnlichen Beruf vor allem Dinge wie Shopping, Freundinnen treffen und ausgiebiges Quatschen. Doch ein Albtraum hat ihr Leben in eine neue Bahn gelenkt. Janika berichtet, wie sie zum Tages-Kinderhospiz KinderLeben kam: „Als ich eines Morgens in meinem Bett lag und mir bewusst wurde, was ich letzte Nacht geträumt hatte, lief mir ein kalter Schauer über den Rücken. Mit einer Träne im Gesicht ging ich ins Bad und tat, als wäre nichts gewesen. Irgendetwas war mit mir passiert, jedoch schenkte ich diesem Gefühl der Beklommenheit keine große Beachtung und zog meine Uniform an. Am Nachmittag war ich mit meiner Freundin verabredet. Ein Mädelstag nach meinen Vorstellungen: bummeln, Kaffee trinken und spazieren gehen. Auf dem Rückweg durch den Park sah ich mir die Menschen genauer an. Kinder spielten lautstark Fußball und die Eltern erzählten sich das Neueste aus der Nachbarschaft. Ich hielt kurz inne und stellte fest, dass der Tag nicht schöner hätte sein können. Beim Weiterlaufen kam mir eine Großfamilie entgegen. In mitten der Traube entdecke ich eine Frau, die einen Rollstuhl vor sich her schob. Das Kind im Rollstuhl sah seltsam aus; es hatte verdrehte Augen, verkrampfte Hände, es schlug den Kopf herum und sabberte. Es war offensichtlich behindert. Ein befremdlicher Anblick. Noch befremdlicher war für mich, die Umstehenden zu beobachten, die ähnlich wie bei einem Autounfall stumm auf das kranke Kind starrten. Da war es wieder, mein Gefühl vom Morgen und ich erinnerte mich erneut an meinen Traum: ich lag in einem weißen kalten Raum, hilflos und bewegungslos. Mit meinen Blicken verfolgte ich die Menschen, die hektisch um mich herum wuselten und meiner Person keine Beachtung schenkten. Ich konnte nicht auf mich aufmerksam machen, denn in meinem Traum war ich behindert. Plötzlich wurde mir klar, wie sich das Kind im Park fühlen musste. Dieser Gedanke machte mir Angst. Ich musste etwas unternehmen und wollte nicht mehr hilflos zusehen.“ Seit diesem Erlebnis engagiert sich Janika in ihrer Freizeit bei KinderLeben. Die Arbeit mit todkranken Kindern stellt für Janika eine gute Ergänzung zu ihrem Beruf als Soldatin dar, in dem sie stark sein, mit einer Waffe umgehen und viel Verantwortung tragen muss. Bei KinderLeben darf sie gefühlvoll auf die kranken Kinder eingehen und ihnen viel Wärme geben. Von dieser Wärme bekommt sie im herzlichen Umfeld des Hospizes genauso viel zurück. Ihr Leben hat durch die ehrenamtliche Tätigkeit eine große Bereicherung erfahren. Sie nimmt das Leben bewusster war und geht mit den Tabuthemen „Tod“ und „Krankheit“ natürlich um. Und noch etwas tut sie heute bewusster:
„Einmal im Tages-Kinderhospiz bin ich mit einem unheilbar erkrankten Kind eine Currywurst essen gewesen. Ein unbeschreibliches Erlebnis. Kennen Sie das, wenn Sie etwas so sehr mögen, dass sie es jeden Tag essen könnten? Currywurst mit Pommes war genau das Essen, was es bei dem Kind am liebsten täglich geben sollte. Wenn ich jetzt eine Currywurst verzehre, denke ich an das fröhliche Gesicht des kranken Jungen, der heute nicht mehr unter uns weilt. Oftmals sind die kleinen Dinge im Leben entscheidend“.
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