Jahresrückblick: Wir und die Flüchtlinge

Es ging schnell, es war überraschend, keiner hatte einen Plan. Im ehemaligen Baumarkt am Hörgensweg in Eidelstedt schliefen Flüchtlinge anfangs auf dem Fußboden. Ehrenamtliche sprangen mit dem Nötigsten ein. Seit Oktober haben Eidelstedt und der Osdorfer Born etwa 1.700 Neu-Bewohner. Mitarbeiter in den Unterkünften und hunderte Freiwillige tun, was sie können, um die Schutzsuchenden zu unterstützen. (Foto: JOTO)

Kommentar:  Bürger und Behörden entwickeln eine neue Helferkultur

Ein leerstehender Baumarkt, ein Parkplatz, eine Freifläche irgendwo zwischen Hauptverkehrsstraße und Autobahn, eine Sporthalle. Zweckbauten. Ecken, an denen man sonst nicht anhält – ab dem Spätsommer wurden sie zu Zufluchtsstätten. Für Menschen aus Afghanistan, Syrien, Irak, Eritrea. Junge Männer, Jugendliche, Frauen und Kinder, Familien, die in ihren Heimatländern keine Zukunft mehr sahen.

Bürger und Behörden: Keiner hatte einen Plan

Es ging schnell. Es war überraschend. Keiner hatte einen Plan. Nicht die Behörden, nicht die Hilfsorganisationen. Nicht die Bürger Hamburgs. Und was passierte? Alle machten etwas – irgendwie.
55.000 Flüchtlinge sind bis Ende November nach Hamburg gekommen. Sie brauchen ein Dach über dem Kopf, Essen, Kleidung, ärztliche Hilfe.
Die bewegenden traurigen Geschichten vom Mittelmeer, aus Ungarn und der Türkei, die wir im Fernsehen sahen, wurden plötzlich real. Weil hier Menschen waren, die Not und Angst auf ihrem Weg nach Deutschland erlebt hatten. Diese Geschichten waren nun in unserer Nachbarschaft – unter uns.
Die Behörden versuchten so viele Menschen wie möglich so schnell wie möglich unterzubringen. Irgendwie. Im ehemaligen Praktiker-Baumarkt am Hörgensweg in Eidelstedt war anfangs kaum etwas vorbereitet. Ehrenamtliche sprangen ein, später das Bezirksamt Eimsbüttel. Auch der Baumarkt am Rugenbarg im Osdorfer Born wurde schnell zu einer Notunterkunft. Innerhalb weniger Wochen haben unsere Stadtteile etwa 1.700 Neu-Bewohner bekommen.
Und wir Bürger? Hunderte packten mit an – jeder auf seine Weise. Schränke wurden nach Klamotten durchforstet. Sammelstellen entstanden wie aus dem Nichts. Kleiderkammern wurden eingerichtet, Übersetzer organisiert, Kinderprogramm und Freizeitangebote gestartet. Sportvereine aus Lurup und Eidelstedt luden zum Fußballspielen ein. Hilfe geht auch mit einfachen Mitteln – wie zum Beispiel dem Tee-Mobil von Sami Khokhar und seinen Mitstreitern. Warme Getränke, Kekse, Obst – fertig ist der Treffpunkt!
Es ist eine Art neue Helferkultur entstanden. Jeder bringt etwas ein – Zeit, Ideen, Spenden. Gemeinsam können Bürger etwas bewegen, manchmal schneller und effizienter als Behörden. Das hat 2015 gezeigt.

Integration: Jeder kann etwas geben

Keiner sagt, dass es einfach wird, tausende Menschen von heute auf morgen in Hamburg zu integrieren. Aber alle können etwas geben. Wir, die Bürger Hamburgs. Und irgendwann auch die Geflüchteten, wenn sie hier bleiben wollen und Fuß gefasst haben. Es kommt darauf an, welche Chancen wir ihnen geben, damit sie etwas zurück-geben können.
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.